• Hamburger SV - Bayer Leverkusen 1:0: Drei Punkte für den HSV, Beschimpfungen für Hakan Calhanoglu

Hamburger SV - Bayer Leverkusen 1:0 : Drei Punkte für den HSV, Beschimpfungen für Hakan Calhanoglu

Befreiungsschlag für den Hamburger SV: Gegen Bayer Leverkusen holt der HSV in einem aggressiven Spiel drei Punkte und entfernt sich von den Abstiegsrängen. Gegen den Ex-Hamburger Hakan Calhanoglu gab es Gehässigkeiten.

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per Elfmeter erfolgreich: Der Hamburger Kapitän Rafael van der Vaart.
per Elfmeter erfolgreich: Der Hamburger Kapitän Rafael van der Vaart.Foto: AFP

Der Hamburger SV hat seinen Gegner niedergekämpft. Ein Satz, den man auf sich wirken lassen sollte. Wann hatte es das zuletzt gegeben? Beim letzten Heimsieg der Hamburger im April hatte Bayer 04 Leverkusen ein Dutzend Chancen erspielt und es einfach versäumt, den HSV zu schlagen – ein Treffer Heiko Westermanns in der Schlussphase hatte die Verhältnisse damals auf den Kopf gestellt. Knapp sieben Monate später war es ein verdienter Hamburger Sieg; in Sachen Aggressivität und Willensstärke beeindruckte Trainer Josef Zinnbauers Mannschaft bei diesem 1:0.

Doch am Ende hing der zweite Bundesliga-Saisonsieg am seidenen Faden. Karim Bellarabi schob den Ball per Außenrist in der Schlusssekunde an den Innenpfosten. Von dort prallte er ins Spielfeld zurück. Leverkusen musste sich ärgern, dem Hamburger Vollkontaktfußball nicht mit mehr spielerischen Elementen begegnet zu sein. Die Gäste ließen sich auf ein hartes Kampfspiel herunterziehen und standen am Ende mit leeren Händen da.

Gehässigkeiten gegen Hakan Calhanoglu

„Der Rasen hat gebrannt. Hier hätte heute keiner gewonnen“, sagte der Hamburger Westermann. „Wir haben uns anstecken lassen von der Hektik“, sagte der Leverkusener Sportdirektor Rudi Völler. 54 Fouls, neun Gelbe Karten, aber nur drei Torschüsse zählten die Statistiker. „Das hatte wenig mit Fußball zu tun“, betonte der Leverkusener Trainer Roger Schmidt, „90 Prozent unserer Angriffe wurden durch taktische Fouls unterbunden. Wir fühlen uns ungerecht behandelt.“ Sein Kollege Zinnbauer sagte: „Unser Arbeitseifer und die Laufbereitschaft waren großartig. Aber das Spiel war natürlich nicht gut. Für uns ist nur wichtig, dass wir diese drei Punkte haben.“

Im Zentrum der Diskussionen stand auch nach dem Abpfiff Hakan Calhanoglu. Das Pfeifkonzert war ohrenbetäubend, als er um 15.30 Uhr im Anstoßkreis stand. Eine Menge unflätiger Beschimpfungen regnete auf ihn nieder, und in einem großen Plakat hatten sich die Hamburger Fans Luft verschafft: „Heute Bayern, morgen Madrid, mit Depressionen kommt der nächste Schritt.“ Unter Hinweis auf psychische Probleme hatte sich Calhanoglu im Juni beim HSV abgemeldet – und nur wenig später seinen neuen Vertrag in Leverkusen unterschrieben.

Aggressives Spiel mit vielen Fouls

Er wirkte beeindruckt von den Pfiffen und hatte kaum auffällige Szenen. Andererseits blieb er auch bemerkenswert ruhig. „Hakan kann mit Druck umgehen, deshalb habe ich auch nicht darüber nachgedacht, ihn auszuwechseln. Ich finde, er hat sehr besonnen auf die Anfeindungen reagiert“, sagte Schmidt. Jedenfalls übertrug sich die hässliche Atmosphäre auf den Rängen auf das gesamte Spiel. Kleine, versteckte und üblere Fouls gab es praktisch ab der ersten Minute. Als Calhanoglu kurz vor der Pause einen Freistoß in der Nähe der Hamburger Fantribüne ausführte, regneten diverse Gegenstände auf den Rasen. Schiedsrichter Florian Meyer hatte größte Mühe, die erhitzten Gemüter zu beruhigen und auf Ballhöhe zu bleiben.

Leverkusen druckvoll aber ohne Tor

Er hatte auch schon beim Führungstor des HSV im Mittelpunkt gestanden. In der 24. Minute räumte Bayer-Torwart Bernd Leno den Hamburger Marcell Jansen im Strafraum ab. Meyer reagierte nicht, auch sein Assistent Holger Henschel enthielt sich. Ob auf Protest der Hamburger Spieler oder auf ein Signal des Assistenten hin, entschied Meyer dann doch auf Strafstoß. Rafael van der Vaart verwandelte sicher.

Bis auf Bellarabis schönen Alleingang mit dem unglücklichen Ende in der 94. Minute blieb es ein teils hässliches, teils faszinierendes Kampfspiel. Besonders motiviert wegen Calhanoglus Rückkehr sei niemand im Team gewesen, behauptete Westermann später: „Uns ging es nicht um Hakan. Wir haben überhaupt nichts gegen ihn. Uns ging es nur darum, zu gewinnen.“ Besonders harte Fouls gegen den einstigen Kollegen waren dann auch ausgeblieben. Aber die heftigen, hässlichen Schmähungen von außen genügten ja, um den jungen Türken nachhaltig zu beeindrucken.

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