Hamburger SV - Borussia Mönchengladbach 0:2 : Hamburger trifft Hamburg hart

Mönchengladbachs Nationalspieler Max Kruse erzielt in seiner Heimat beide Tore zum 2:0-Sieg beim Hamburger SV und sorgt für den ersten Gladbacher Auswärtssieg der Saison.

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Wo ist der Ball – und wer ist da hinter mir? Hamburgs Verteidiger Jonathan Tah (rechts) stellt sich wohl viele Fragen, die Max Kruse mit dem Tor zum 2:0 für Borussia Mönchengladbach beantwortet.
Wo ist der Ball – und wer ist da hinter mir? Hamburgs Verteidiger Jonathan Tah (rechts) stellt sich wohl viele Fragen, die Max...Foto: dpa

Was für ein schöner Tag für den Hamburger Jung: Max Kruse, geboren in Reinbek an der Hamburger Peripherie, erzielte zwei Tore, es waren die entscheidenden am elften Spieltag der Fußball-Bundesliga. Es gab da aus der Sicht des Hamburger SV nur den einen nicht ganz unwesentlichen Nachteil, dass Max Kruse für Borussia Mönchengladbach spielt. Dank seiner Tore gab es einen 2:0 (1:0)-Sieg, mit dem die Borussia ihren vierten Tabellenplatz sicherte und sich endlich befreite vom Ruf, nur daheim siegen zu können und nie auf fremdem Platz. Es war, nach dem 4:1 vor einer Woche gegen Eintracht Frankfurt, die erste Gladbacher Mini-Siegesserie seit Februar 2012, und das am 56. Geburtstag ihres Trainers. „Der Sieg ist natürlich viel wichtiger als mein Geburtstag“, sagte Lucien Favre. „Aber die Kombination von drei Auswärtspunkten und meinem Geburtstag ist schon eine schöne Sache.“

Auch für den HSV ging vor 57 000 Zuschauer in der ausverkauften Arena am Volkspark eine Serie zu Ende. 13 Tore hatten die Hamburger in den ersten vier Spielen unter ihrem neuen Trainer Bert van Marwijk erzielt und dabei acht Punkte geholt. „Dabei war das das beste Spiel, seitdem ich in Hamburg bin“, sagte der Niederländer. „Es ist schon tragisch, dass wir jetzt mit leeren Händen dastehen.“

Aber es ist eben ein Unterschied, in Freiburg oder Nürnberg zu spielen als gegen eine taktisch disziplinierte und beeindruckend ballsichere Mannschaft wie die Mönchengladbacher. Sie ließen den Ball zirkulieren, übten sich in Geduld und warteten auf die Fehler, die da irgendwann kommen würden. Und sie kamen. Den ersten vogelwilden Pass aus der Hamburger Abwehr kam von Tolgay Arslan in den Fuß von Juan Arango, dessen Flanke noch im Nichts landete. Beim nächsten Mal waren die Gladbacher nicht so nachsichtig. Lasse Sobiech war schon bei der Ballannahme die Unsicherheit anzumerken, sie steigerte sich noch, als er von Raffael attackiert wurde. Sobiech drehte sich und spielte zurück auf seinen Torhüter René Adler, hatte dabei aber Max Kruse übersehen. Der Nationalspieler nahm das unverhoffte Zuspiel dankend an und traf aus spitzem Winkel zur Führung.

Jetzt hatte die Borussia den Gegner, wo sie ihn haben wollte. Unter Zugzwang und dem Druck, das latent nörgelnde Publikum zufrieden zu stellen. Niemand wird den Hamburgern das Bemühen absprechen. Sie rannten und flankten und schossen, aber an konstruktiven Lösungsmöglichkeiten war bis zum Pausenpfiff nicht viel zu sehen. Das änderte sich mit dem ersten Angriff der zweiten Halbzeit. Rafael van der Vaart spielte auf Maximilian Beister, dessen Lauf Richtung Tor Martin Stranzl nur auf Kosten eines Fouls stoppen konnte. Der gerade erst nach einer Rotsperre zurückgekehrte Stranzl sah die Gelbe Karte. Den fälligen Freistoß zirkelte van der Vaart an die Latte.

Es war offensichtlich ein Signal für die Hamburger. Fortan wirkten ihre Aktionen sehr viel stringenter, sie zwangen die Gladbacher immer häufiger zu Fehlern und Chancen hatten sie jetzt auch: Einmal schoss Beister knapp vorbei und beim nächsten Mal van der Vaart, dann parierte Marc-André ter Stegen einen Schuss von Hakan Calhanoglu. „Da war der HSV sehr gut“, sagte der Mönchengladbacher Trainer Lucien Favre. „Aber meine Mannschaft hat gelernt, mit Druck umzugehen und so eine Phase ohne Gegentor zu überstehen. Das ist auch eine Qualität.“

Am Ende schlug der HSV sich selbst. Das verhängnisvolle zweite Gegentor war eine Kopie des ersten. Wieder war Sobiech mit dem Auflösen einer gar nicht so komplizierten Situation überfordert. Raffael nahm ihm den Ball ab und spielte auf Kruse, der erst Jonathan Tah aussteigen ließ und mit der ihm eigenen Brillanz abschloss. Raffael hatte nach einem Konter sogar noch das 3:0 auf dem Fuß, auf der anderen Seite lenkte ter Stegen einen Kopfball von Pierre-Michel Lasogga mit großartigen Reflex an den Pfosten.

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