Hamburger SV : Der Absturz geht weiter

Trainer Fink gerät in Hamburg langsam unter Druck.

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Hamburg - Es herrschte Weltuntergangsstimmung beim Hamburger SV. Die Fans, und nicht nur die ewigen Nörgler auf den teuren Plätzen, quittierten diese schwache Leistung mit gellenden Pfiffen. Der Sportchef musste nolens volens Treueschwüre für den Trainer loswerden. Und der Vorstandsvorsitzende, extra mit Schal in den Vereinsfarben auf der Tribüne platziert, wandte sich mit Grausen ab und wollte nichts mehr sagen. Was als Wiedergutmachung für das 2:9 vor einer Woche beim FC Bayern ausgerufen worden war, wurde eine Pleite gegen den direkten Konkurrenten um einen Europa-League- Platz, den SC Freiburg. Das peinliche 0:1 am Samstagabend war alles andere als ein bestandener Charaktertest nach dem Bayern-Desaster – die zwölfte Saisonniederlage könnte der entscheidende Rückschlag auf dem Weg in die Europa League sein. Der klamme Hamburger SV bräuchte das Geld aus dem Europapokal dringend. Doch es zeichnet sich eine weitere Saison ohne Zusatzeinnahmen ab.

Aus den vergangenen drei Heimspielen gegen Augsburg, Fürth und Freiburg hat Thorsten Finks Mannschaft nur einen Punkt geholt, das 2:9 bei den Bayern gab es obendrauf – es war klar, dass sich der Trainer Fragen gefallen lassen musste. Man habe eine schlechte Phase, sagte Fink. „Aber ich habe immer den Finger gehoben, gesagt, dass wir nicht abheben sollen. Ich mache mir keine Sorgen um meinen Job.“ Sportchef Frank Arnesen sagte: „Der Trainer ist kein Thema.“ Doch bleiben die Leistungen so enttäuschend, hat Fink seinen Bonus bald aufgebraucht, und auch Arnesens Vertragsverlängerung über 2014 hinaus rückt in weite Ferne. Im Aufsichtsrat wird Finks und Arnesens Wirken seit der Bayern-Pleite sehr kritisch gesehen. Vorstand Carl-Edgar Jarchow stärkte beiden vor einer Woche noch den Rücken – am Samstagabend wollte er zunächst nichts sagen. Mit einer Entlassung Finks rechnet derzeit jedoch niemand.

Die Spieler wirkten ratlos. Der seit Wochen schwache Rafael van der Vaart sagte: „Wir waren nach dem Bayern-Spiel verunsichert und haben einfach nicht gut gespielt.“ Bundesliga-Niveau erreichte gegen Freiburg nur ein Hamburger Spieler. Torwart René Adler hielt seine Mannschaft durch einige große Paraden überhaupt im Spiel. Großartig, wie er Jan Rosenthals Kopfball an die Latte lenkte oder dessen Heber abwehrte. Dass ihn die Malaise offenbar mehr kümmert als andere, sah man nach seiner zweiten Parade gegen Rosenthal: Adler rannte auf Innenverteidiger Michael Mancienne zu, schubste ihn und brüllte. Mancienne hatte zuvor allzu schläfrig agiert und sich wie auch Heiko Westermann etliche Fehler im Spielaufbau geleistet.

Trainer Fink hielt sich mit der Kritik an seinen Profis indes zurück: „Ich finde, wir haben eine gute Reaktion auf das Bayern-Spiel gezeigt. Wir haben gefightet, aber nach vorn war nicht viel drin.“

Der Sportclub dagegen zeigte die nächste starke Leistung in dieser Saison und steht nun erst einmal auf Rang fünf. Sogar die Champions League ist dank Jonathan Schmids Tor in Reichweite. „Ich muss heute mal explizit Jan Rosenthal loben“, sagte der Freiburger Trainer Christian Streich. „Wir haben als Mannschaft enorm gut gegen den Ball gearbeitet. Die Mannschaft zeigt Woche für Woche eine tolle Mentalität, sie hat eine richtig gute Haltung zur Arbeit.“ Das Wort Champions League nahm Streich erwartungsgemäß nicht in den Mund. Frank Heike

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