Hamburger SV : Die Kraft des Mentalen

Mit Zauberfußball hat der Hamburger SV seinen Anhang während der gesamten Hinrunde selten beglückt. Der HSV verbreitet wenig Glanz, hat aber Erfolg.

Karsten Doneck

Hamburg - Mal angenommen, Bastian Reinhardt hätte nicht durchgehalten. Die Gefahr bestand. Der Innenverteidiger des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV hatte sich mit einem nicht voll ends auskurierten Bänderriss im Knöchel ins Spiel gegen Eintracht Frankfurt gewagt. Aber Reinhardt, ohnehin ein zäher Bursche, biss sich 90 Minuten lang durch. Sehr zur Freude von HSV-Trainer Martin Jol. Der hatte zwar noch sechs Feldspieler auf der Ersatzbank, aber das waren alles Offensivkräfte: von B wie Ben-Hatira bis T wie Torun. Trotz solcher Misslichkeiten wurstelten sich die Hamburger glanzlos mit 1:0 gegen die tapferen Frankfurter durch. „Das war sicher kein Zauberfußball von uns“, sagte der Siegtorschütze Mladen Petric.

Mit Zauberfußball hat der Hamburger SV seinen Anhang während der gesamten Hinrunde selten beglückt. Dennoch ist die Mannschaft Tabellenvierter, hat sogar einen Punkt mehr geholt als zum gleichen Zeitpunkt der vorigen Saison, „und das, obwohl Rafael van der Vaart jetzt weg ist“, wie Jol betont. Und: „Wenn man die Probleme sieht, die wir in der Hinrunde hatten, dann bin ich über die erreichten 33 Punkte sehr glücklich.“

Jol arbeitet unter erschwerten Bedingungen. Weil der Wechsel von Spielmacher van der Vaart zu Real Madrid erst kurz vor Saisonbeginn feststand, fehlte dem HSV lange die finanzielle Basis, um die ins Auge gefassten Verstärkungen holen zu können. Spieler wie Thiago Neves, Alex Silva, Marcell Jansen und Mladen Petric waren im Trainingslager im Juli in Längenfeld noch nicht dabei. Richtig integriert in die Mannschaft ist von diesen vier Profis bislang allein Petric, der mit acht Saisontoren seinen hohen Wert für den HSV nachhaltig unterstrichen hat. Hinzu kommt, dass „wir fast immer drei, vier verletzte Stammspieler hatten“, wie Jol feststellt. Zwei Leistungsträger für die Defensive, Thimothee Atouba und Nigel de Jong, fehlen aus Verletzungsgründen schon wochenlang.

Der HSV hat dennoch Erfolg. Er spielt in der Bundesliga eine gute Rolle, steht im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen 1860 München und hat im Uefa-Cup schon vor dem letzten Gruppenspiel am Mittwoch gegen Aston Villa das Weiterkommen sicher. Um bei einem derart umfangreichen Programm sein Personal bei Kräften zu halten, hat Jol das Rotationsprinzip angewandt. Nicht immer ging das gut. Bei der 0:3-Pleite in Wolfsburg zum Beispiel war Alex Silva als Vertreter des geschonten Reinhardt völlig überfordert und verschuldete zwei Gegentore.

Dass der HSV trotz allem so gut dasteht, dafür kennt Martin Jol den Grund: „Mental waren wir fast immer bei 100 Prozent.“ Und Mladen Petric schießt eben regelmäßig die Tore. Das ringt auch Bastian Reinhardt Respekt ab. Reinhardt sagt: „Mladen ist unsere Lebensversicherung.“ Karsten Doneck

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