Hamburger SV : Mit Geduld und Geld

Die Hamburger sind offenbar im Kaufrausch: Mladen Petric, Marcell Jansen, Thiago Neves, Alex Silva. Der HSV rüstet sich zur großen Bayern-Jagd.

Karsten Doneck

Berlin - Im allgemeinen Freudentaumel fand Martin Jol schnell zurück zur Sachlichkeit. Da hatte seine Mannschaft zum zweiten Mal in dieser Saison auswärts ein 0:2 aufgeholt, doch der Trainer des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV hob mahnend den Finger. „Wir können nicht immer einen Zwei-Tore-Rückstand aufholen“, sagte Jol. Beim 2:2 gegen den FC Bayern zum Saisonstart und am Samstag beim 4:2 gegen Arminia Bielefeld war die Aufholjagd gut ausgegangen für die Hamburger – dank „viel Moral und Geduld“, wie Abwehrspieler Bastian Reinhardt, gegen Bielefeld zweifachere Torschütze, so treffend anmerkte.

Der HSV ist mit sieben Punkten aus drei Spielen vielversprechend in die Saison gestartet. Wenn es aber darum geht, sich nun auch verbal als Jäger des ewigen Meisterschaftsfavoriten Bayern München in Stellung zu bringen, dann schweigen sie beim HSV. „Noch wollen wir uns nicht mit den Bayern vergleichen“, sagt Reinhardt. Dabei schufen Bernd Hoffmann, der Vorstandsvorsitzende, und Sportchef Dietmar Beiersdorfer die Voraussetzungen dafür, dass sich die Hamburger durch ihre mittlerweile regelmäßigen Uefa-Cup-Teilnahmen sportlich etwas unterbelichtet vorkommen müssten.

Die Transfers von Rafael van der Vaart (zu Real Madrid) und Vincent Kompany (zu Manchester City) haben knapp 25 Millionen Euro eingebracht. Dieses Geld – und etwas mehr! - hat der HSV inzwischen wieder investiert. Innerhalb von nicht einmal 14 Tagen wurden Mladen Petric (Dortmund) und Marcell Jansen (FC Bayern) sowie die beiden Brasilianer Thiago Neves und Alex Silva gekauft. Kostenpunkt für alle zusammen: rund 29 Millionen Euro. Vier Verpflichtungen, die in der Liga für Aufsehen sorgen.

Aber beim HSV ist jetzt erst einmal Geduld gefragt. Denn die neuen Spieler, so kostbar sie auch sein mögen, sind noch längst nicht integriert. In Bielefeld kam Jansen erstmals zum Einsatz, aber nur rund eine Stunde lang, dann schied er wegen leichter Kniebeschwerden aus. Petric wurde zur zweiten Halbzeit eingewechselt. Der brasilianische Spielmacher Thiago Neves traf erst gestern in Hamburg ein, Abwehrspieler Alex Silva wird nach Brasiliens Länderspielen erst am 11. September in Hamburg erwartet.

Trainer Jol ist dann gefordert, die HSV-Mannschaft mit den Neuen zu einer Einheit zu formen – schnellstmöglich, denn die Erwartungen in Hamburg sind traditionell hoch. Bislang geht es auch ohne die Neuen, wie Jol erkannt hat. „Bedenkt man, mit welchen Probleme wir derzeit kämpfen, läuft es doch bisher hervorragend“, sagt er. Karsten Doneck

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