Hamburger SV : Noch alles frisch?

Die Auswechslung Ruud van Nistelrooys setzt Hamburgs Trainer Bruno Labbadia unter Druck.

Richard Leipold
Früher Feierabend. Grimmig trat van Nistelrooy den Weg in die Kabine an.
Früher Feierabend. Grimmig trat van Nistelrooy den Weg in die Kabine an.Foto: dpa

MönchengladbachRuud van Nistelrooy stiefelte grimmigen Blickes und mit großen Schritten geradewegs vom Spielfeld in die Katakomben. Wenigstens bei seinem Abgang lange vor dem allgemeinen Dienstschluss wollte der Stürmerstar des Hamburger SV Raum gewinnen. Auf dem Rasen des Borussia- Parks war ihm das inmitten einer planlos kickenden Elf nicht gelungen. Beim 0:1 (0:1) gegen ein wehrhaftes Gladbacher Kollektiv, für das Roel Brouwers in der 43. Minute traf, war nichts zu sehen von jenem smarten, charismatischen Profi, der weltläufiges Fußballflair in die Hamburger Mannschaft bringen soll. Welch ein Ärgernis muss es für einen Überflieger wie van Nistelrooy sein, von einem Trainer wie Bruno Labbadia ausgewechselt zu werden – eine halbe Stunde vor Ablauf der Spielzeit. Und das an einem Tag, den der Torjäger nutzen wollte, um sich vor den Augen des niederländischen Nationaltrainers Bert van Marwijk für ein Comeback im Nationalteam zu empfehlen.

Auch deshalb sah sich der längst nicht mehr unumstrittene Labbadia wieder in der Defensive. Immerhin stellte er sich dem heraufziehenden Konflikt mit dem namhaftesten Profi eines Ensembles, das trotz einiger Ausfälle stark besetzt war, die Klasse der Einzelspieler jedoch abermals nicht zu einem Gemeinschaftswerk zusammenfügen konnte. Dem Angreifer habe „von der ersten Minute an die Frische gefehlt“, sagt der Trainer. Angesichts der langen Verletzungspause vor seinem Wechsel nach Hamburg „haben wir gewusst, dass wir ihn bis Sommer durchschleppen müssen“.

Beim Bundesliga-Sechsten könnte sich indes bald die Frage stellen, wie lange er Labbadia noch mit durchschleppen kann. Der HSV läuft Gefahr, sein internationales Startrecht zu verspielen. Labbadia gibt sich keiner Illusion hin. „Als Trainer steht man in der Verantwortung und in der Schusslinie, wenn es nicht läuft.“ KlubChef Bernd Hoffmann betonte gestern, dass „wir keine Trainerdiskussion führen“. Ist es also sicher, dass Labbadia auch noch im Sommer beim HSV ist? „Es ist sicher – Stand jetzt.“

Es mag vertretbar gewesen sein, van Nistelrooy aus dem Spiel zu nehmen. Aber war Paolo Guerrero der geeignete Ersatzmann, um gegen eine robust verteidigende Heimelf einen Rückstand aufzuholen? Wegen einer langwierigen Kreuzbandverletzung hatte der Peruaner fast sieben Monate keine Bundesligapartie bestritten, insofern konnte auch er nicht gerade den Inbegriff der Fitness verkörpern. Der Wechsel des Tages blieb wirkungslos, Labbadia indes dürfte er mehr geschadet als genutzt haben.mit dpa

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