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Hamburger SV - SC Paderborn 0:3 : Blamage für den HSV

Hamburg desolat, Paderborn wie aufgedreht - der Aufsteiger feiert den ersten Sieg seiner jungen Bundesliga-Geschichte. Der HSV präsentierte sich erschreckend einfallslos und musste schon zur Halbzeit ein Pfeifkonzert der eigenen Fans ertragen.

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Desolat: Hamburgs Badelj, Behrami und Westermann (v. li.) können den Auftritt gegen Aufsteiger Paderborn nicht fassen.
Desolat: Hamburgs Badelj, Behrami und Westermann (v. li.) können den Auftritt gegen Aufsteiger Paderborn nicht fassen.Foto: dpa

Die gellenden Pfiffe von der Fantribüne müssen die Profis des Hamburger SV geschmerzt haben. Vieles sollte besser werden in dieser Saison; eine Hoffnung, die alle tief gefallenen Klubs der Liga stets begleitet. Den HSV mit seinen umfassenden Umbauarbeiten an Verein und Mannschaft in diesem Sommer noch ein bisschen mehr. Und dann? Spielt da eine nahezu unveränderte Mannschaft für den Fast-Absteiger, verstärkt um Valon Behrami, geschwächt durch Hakan Calhanoglus Abgang, und verliert in einer Manier 0:3 (0:1) gegen den Aufsteiger SC Paderborn, die frappierend an alte Heimniederlagen gegen kleine Klubs in den Vorjahren erinnerte. Die Hamburger Fans unter den 54 000 Zuschauern hatten singend „die Schnauze voll“ von ihrem Team.

In punkto Spielidee und Spielanlage war Trainer Mirko Slomkas Elf eine Klasse schlechter als der kontrolliert und clever spielende Sportclub von Trainer André Breitenreiter, auch fehlte die Aggressivität. Entsprechend bedient wirkte Slomka. „Das war eine schockierende Leistung. Es ist sehr bitter. Wir wollten den Fans unser neues Gesicht zeigen. Aber wir haben sie brutal enttäuscht. Wir haben das Spiel als Team hergeschenkt und einfach zu viele individuelle Fehler gemacht“, sagte der Trainer. „Wir haben nichts von dem gesehen, was wir uns in der Vorbereitung erarbeitet haben. Es ist schade, dass wir die Aufbruchstimmung der letzten Wochen nicht fortführen konnten.“

Torschütze Kachunga "stolz und glücklich"

Elias Kachunga zum 1:0 in der 29. Minute, Mario Vrancic in der 68. Minute und Moritz Stoppelkamp drei Minuten vor Schluss waren die Paderborner Torschützen zum ersten Sieg in der Bundesliga. Entsprechend froh war Breitenreiter: „Ich bin stolz und glücklich. Wir haben schnell umgeschaltet, waren immer gefährlich und haben die Fehler des Gegners ausgenutzt. Es war ein verdienter Sieg.“ Der HSV brachte kaum eine nennenswerte Torchance zustande, weil aus dem Mittelfeld einfach zu wenig Verwertbares kam, vor allem, als der formstarke Rafael van der Vaart in der 37. Minute verletzt aus dem Spiel musste.

Vielleicht spielt dort bald Julian Green oder Lewis Holtby. Der 19-Jährige vom FC Bayern und der ehemalige Schalker bei Tottenham sollen für diese Spielzeit entliehen werden – was die Frage aufwirft, ob noch Platz und Geld für van der Vaart im Hamburger Mittelfeld wäre. Nach den Eindrücken von Samstag werden Verstärkungen dringend benötigt. „Mit diesem Thema beschäftige ich mich nicht. Ich habe mit der Mannschaft genug zu tun“, sagte Slomka. Die Transfers werden von Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer weiter vorangetrieben.

Slomka schon in der Kritik

Paderborn, dieser Namen hat nicht erst seit Samstag aus Hamburger Sicht eine spezielle Note. Die Erinnerungen an die letzte Partie gegen die Westfalen fallen zwiespältig aus. Vor zehn Jahren trat der HSV in der ersten Pokalrunde beim damaligen Drittligisten an und verlor 2:4. Eine Reihe krasser Fehlentscheidungen begleiteten den HSV in dieser Partie, getroffen vom bestochenen Berliner Schiedsrichter Robert Hoyzer. Hoyzer bescherte Fußball-Deutschland damals den größten Wettskandal der Geschichte und landete später im Gefängnis. Nach vorzeitiger Haft-Entlassung arbeitet Hoyzer seit dieser Saison als Technischer Direktor des Berliner AK 07. Für den damaligen Hamburger Coach Klaus Toppmöller war die Niederlage der Anfang vom Ende seiner Bundesliga-Trainerkarriere.

So weit ist es bei Slomka nicht. Aber ein Punkt aus zwei Spielen gegen die Aufsteiger – schon steht der HSV mit seinem ohnehin umstrittenen Trainer wieder in der Kritik. Nach der Länderspielpause folgt die Partie in Hannover, dann kommen die Bayern nach Hamburg: Man braucht wenig Phantasie, um sich einen Fehlstart auszumalen.

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