Hamburger SV : Seht her, so geht’s

Ruud van Nistelrooy hat am Donnerstag in der Pause des Europa-League-Spiels gegen den RSC Anderlecht einfach eine kleine Ansprache gehalten. Ungefragt. Der Niederländer treibt den Hamburger SV zu Höchstleistungen.

Frank Heike[Hamburg]
327505_0_e8a07b1c.jpg
Schrei, wenn du kannst. Ruud van Nistelrooy (r.) bejubelt sein Tor zum 2:0. -Foto: dpa

 „Ich habe den Jungs in der Kabine gesagt, dass wir so weiterspielen müssen wie vorher, dann machen wir auch das dritte Tor“, erzählte van Nistelrooy nach dem 3:1-Sieg des Hamburger SV gegen den belgischen Meister im Achtelfinal-Hinspiel. Der Mann geht voran, er hat Ehrgeiz und will Titel. Er kann nicht anders. Mit van Nistelrooys Worten im Ohr spielte der HSV die beste Halbzeit der Rückrunde und erwirtschaftete sich dank David Jarolims Treffer zum 3:1 eine gute Basis für das Rückspiel am kommenden Donnerstag. Joris Mathijsen hatte den HSV in der 23. Minute in Führung geschossen, van Nistelrooy auf 2:0 erhöht, ehe Jonathan Legear mit seinem Treffer in der 45. Minute dafür sorgte, dass der Tabellenführer der belgischen Liga auch noch Chancen hat, das Viertelfinale zu erreichen.

Schon als der HSV van Nistelrooy Ende Januar von Real Madrid verpflichtete, hob Klubchef Bernd Hoffmann immer dessen Professionalität auf allen Stationen seiner Laufbahn hervor. Der Hunger nach Erfolg habe ihn immer angetrieben, sagte van Nistelrooy dazu. Inzwischen scheint klar, dass der 33 Jahre alte Niederländer auch in Hamburg Appetit hat. Selbst bei seinen bisherigen Kurzeinsätzen in der Fußball-Bundesliga dirigierte er die Mannschaft. Und nun zog van Nistelrooy am Donnerstag mit bloßer Anwesenheit bei seinem ersten Vollzeit-Arbeitstag die ganze Mannschaft mit, erst Recht, als die Kollegen gesehen hatten, wie gekonnt er den Ball zum 2:0 für die Hamburger ins Anderlechter Tor schoss.

Auf solche Tore aus Halbchancen hat der Hamburger SV lange gewartet. Trainer Bruno Labbadia sagte: „Er hat eine unglaubliche Qualität im Strafraum.“ Eine Qualität, die womöglich angeboren sei, sagte Klubchef Hoffmann. Das Tor und der aberkannte Treffer Mitte der zweiten Halbzeit aus dem Abseits waren Anschauungsunterricht für die Juniorstürmer Tunay Torun und Marcus Berg, die zuletzt in der Bundesliga gegen Hertha BSC aus besseren Chancen weniger gemacht hatten.

In die Freude über das starke Spiel beim ersten Einsatz über 90 Minuten mischten sich beim HSV aber auch Sorgen, wie austrainiert van Nistelrooy denn nun wirklich ist. Dass er die letzten zehn Minuten müde war, sah jeder im Stadion. Langsam haben ihn die Physiotherapeuten nach seinem Muskelfaserriss in der rechten Wade aufgebaut. Nun wollen die Hanseaten bei ihrem kostbarsten Besitz kein Risiko eingehen – und hätten ihn natürlich doch am liebsten immer dabei, wenn es nach Leverkusen und Anderlecht am kommenden Sonntag gegen den FC Schalke geht. Labbadia sagte: „Ich weiß gar nicht, wie lange er kein Spiel über 90 Minuten gemacht hat. Wir müssen sehen, wie er sich am Samstag fühlt.“ Van Nistelrooy selbst wollte erst einmal Muskeln, Sehnen und Knochen befragen, ehe er eine Prognose für das Leverkusenspiel abgeben wollte. In Madrid hatte er in der Hinrunde kein Spiel über die ganze Distanz bestritten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar