Hamburger SV : Sieg der Demut

Die Abstiegsängste aus der vergangenen Saison helfen dem Hamburger SV. Jetzt stehen die Hanseaten auf einem Champions-League-Rang.

Erik Eggers
Guerrero
Paulo Guerrero traf gegen Frankfurt gleich doppelt. -Foto: dpa

HamburgDie Mädchen, die im Hamburger Schmuddelwetter vor der Arena ausgeharrt hatten, schienen kurz vor dem Nervenzusammenbruch zu stehen. Rafael van der Vaart schrieb nach dem 4:1-Sieg gegen Eintracht Frankfurt geduldig Autogramme. Wieder einmal war der Niederländer am begehrtesten bei den Fans, kein Wunder nach diesem formidablen Auftritt. Es war wenig davon zu sehen, dass van der Vaart das erste Mal nach seiner Verletzung durchspielte. Diesmal aber glänzte er vor allem als Vorbereiter, so bei den ersten Toren durch Guerrero und de Jong. Seine eigene Leistung wollte van der Vaart nicht beurteilen, aber natürlich freute er sich über dieses Comeback nach der 1:2-Pokalniederlage beim VfL Wolfsburg, welche die Pessimisten schon als Fanal eines kommenden Untergangs gewertet hatten. „Wir haben nach dem Pokal-Aus den Charakter-Test bestanden“, konstatierte der Regisseur.

Derweil machte HSV-Coach Huub Stevens seinem Spitznamen „Knurrer von Kerkrade“ wieder alle Ehre. Natürlich war seine Laune glänzend, nachdem sein Team mit dem Offensivfußball das Vorurteil widerlegt hatte, es könne nur mit einem destruktiven Beton-Stil zum Erfolg kommen. Aber dass die Medienvertreter seine Feststellung belächelten, sein Team habe bei nun 41 Punkten den Abstieg verhindert, fuchste den Niederländer dann doch. „Ja“, ätzte er mit verächtlicher Miene. „Ihr lacht. Aber wir dürfen nicht einfach vergessen, wie die Situation vor einem Jahr war.“ Damals rangierten die Hanseaten mit nur 21 Punkten auf dem vorletzten Tabellenplatz. Die Erinnerung an diese schweren Zeiten, glaubt Stevens, fördert die nötige Demut vor den kommenden Aufgaben.

Frank Rost handelte also ganz im Sinne seines Trainers, als er kurz vor der Halbzeit Innenverteidiger Joris Mathijsen derart laut anbrüllte, dass dieser einen Tinnitus davon getragen haben dürfte. „Schade“ findet Stevens, dass der HSV nun im Uefa-Cup-Achtelfinale mit Bayer Leverkusen am Donnerstag auf einen deutschen Gegner trifft. „Aber so ist die Auslosung. Da kann man nichts machen.“ Viel mehr Worte wollte er dann aber nicht verlieren: „Bis dahin ist noch viel Zeit.“ So griesgrämig Stevens auch wirkt: Siege wie am Sonntagabend will er in Ruhe genießen.

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