Sport : Hamburger SV sperrt die Presse aus

Karsten Doneck

Hamburg – Dem Ansturm der Mitglieder war der Fußball-Bundesligist Hamburger SV nicht gewachsen. Erst mit 63-minütiger Verspätung konnte die diesjährige Mitgliederversammlung des HSV beginnen. 1589 stimmberechtigte Mitglieder, absoluter Vereinsrekord, hatten sich im Congress Centrum Hamburg eingefunden, um ihrem Unmut über die sportliche Entwicklung beim HSV freien Lauf zu lassen. Was dabei herauskam, blieb im geschlossenen Saal. Mit „Presse raus!“-Rufen forderten die Mitglieder sofort nach den Ehrungen den Ausschluss aller Berichterstatter. Es gab eine Abstimmung – mit exakter Auszählung der Stimmen. Und die endete mit einem für den HSV peinlichen Eklat: 791 Mitglieder sprachen sich für einen Ausschluss der Presse aus, 689 Mitglieder entschieden sich dagegen. Die Fans grollen, weil sie „ihren HSV“ in der Boulevardpresse zuletzt schlecht dargestellt sahen.

Der HSV klärt halt seine Probleme lieber intern. Dazu passt, dass die HSV-Mannschaft der Versammlung fernblieb. Die Spieler sollen sich auf das Spiel in Aachen vorbereiten, hatte Trainer Thomas Doll im Vorfeld gesagt. Eher war der Grund, dass für die Spieler angesichts des vorletzten Tabellenplatzes Missfallenskundgebungen aus dem Auditorium befürchtet wurden.

Wirtschaftlich vermeldete der HSV fast nur positive Zahlen. Die Erträge aus den absolvierten Spielen stiegen im Geschäftsjahr 2005/06 durch Teilnahme am UI-Cup, am Uefa-Pokal und am DFB-Pokal um stolze 40 Prozent. Das Darlehen für den Bau der HSV-eigenen AOL-Arena, finanziert durch ein Bankenkonsortium, hat der Verein von ursprünglich 78,5 Millionen Euro inzwischen auf 61,2 Millionen Euro reduzieren können. Allerdings werden dem HSV bald die Einnahmen aus dem europäischen Wettbewerb wegbrechen.

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