Sport : Hamburger SV: Stehgeigers Wandel

In Dortmund wurde er vom Hof gejagt, in Hamburg avancierte er zum Torkönig. Mit der stolzen Ausbeute von 13 Treffern auf dem persönlichen Konto kehrt Sergej Barbarez am Sonnabend (20.15 Uhr, live auf Premiere World) ins Westfalenstadion zurück, in dem ihn die eigenen Fans in seiner Zeit bei der Borussia kräftig ausgepfiffen haben. "Ich würde lügen, wenn ich sage, dass dies ein normales Spiel für mich ist", sagt der Bosnier, der seit Beginn dieser Saison in Hamburg die Fußball-Stiefel schnürt. Aus den zwei schweren Dortmunder Jahren, in denen sich nach dem Wechsel aus Rostock die Hoffnungen des Bosniers nicht erfüllten, glaubt er gestärkt hervorgegangen zu sein: "Aus allem Negativen habe ich viel Positives gezogen", sagt Sergej Barbarez. "Es mag ein wenig seltsam klingen, baer ich glaube, dass ich mich in Dortmund weiter entwickelt habe."

In Hamburg bei seinem Entdecker Frank Pagelsdorf hat Barbarez an alte Qualitäten angeknüpft. Pagelsdorf hatte ihn einst zum 1. FC Union nach Berlin geholt und dann weiter zum FC Hansa gelotst. Beim Hamburger SV ist Barbarez nun zum torgefährlichsten Mittelfeldspieler in der Bundesliga geworden. Nur Schalkes dänischer Stürmer Ebbe Sand (14 Tore) hat in dieser Saison bislang öfter getroffen. "In Hamburg habe ich die Rückendeckung, die ich in Dortmund nie hatte", sagt Barbarez. Nun hofft er auf süße Rache am Sonnabend im Westfalenstadion zu Dortmund.

Schon im Hinspiel hat der 29-jährige Barbarez, der für 3,5 Millionen Mark Ablöse kam, gegen seinen alten Club zwei Treffer erzielt. Doch der momentan im Abstiegskampf steckende HSV verlor gegen die Borussia trotzdem. Diesmal soll es anders werden: "Wir wollen drei Punkte holen", hat Trainer Pagelsdorf angekündigt. Auch für den Hamburger Trainer ist es ein besonderes Spiel. Pagelsdorf hat selbst viereinhalb Jahre für die Borussia gespielt.

Obwohl es für Barbarez, der zusammen mit Pagelsdorf schon in Hannover, Berlin und Rostock gearbeitet hat, in Hamburg wirklich gut läuft, stand er auch bei seinem neuen Klub schon in der Kritik. Mitten in der noch immer nicht ganz ausgestandenen Hamburger Krise schieden sich auch in der Hansestadt die Gemüter an seinen Leistungen. "Nur ein Stehgeiger" war noch eine der harmlosesten Einstufungen für Barbarez, dem wieder einmal vorgeworfen wurde, nicht mannschaftsdienlich zu agieren.

Pagelsdorf winkt ab. "Er hat eine Spielweise, die lässig wirkt", sagt der Trainer. Das mag ein Grund sein, aber Pagelsdorf betont nicht zufällig das Wort lässig. Denn die Wirklichkeit sieht für den Trainer ganz anders aus: "Ich würde jede Wette eingehen, dass der Sergej zu unseren laufstärksten Spielern gehört."

Richtige Sorgen macht sich der HSV um den Einsatz von Abwehrchef Nico Jan Hoogma. Der Niederländer laboriert an Problemen mit den Adduktoren, sein Einsatz am in Dortmund ist gefährdet. "Die Chancen, dass er auflaufen kann, stehen derzeit bei 50:50", sagte Kotrainer Armin Reutershahn. Hoogma absolvierte unter der Anleitung von Reha-Coach Gerd Kleimaker ein spezielles Training mit Laufübungen.

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