Sport : Hamburger SV: und die Märker blitzen in den Augen

Claus Günter

Von Hertha lernen, heißt verdienen lernen. Ja, es so zu machen wie der Berliner Bundesligakontrahent, das könnte dem Hamburger SV so passen. Wer genau hinblickt in die Augen des Vorstandsvorsitzenden Werner Hackmann und des Sportchefs Holger Hieronymus, der glaubt, schon die Märker blitzen zu sehen. Die Champions League, das Tor zum Fußball-Schlaraffenland, ist für den HSV nur noch zwei Spiele entfernt. Heute abend um 19 Uhr (live im ZDF) steht in Kopenhagen Teil eins des Unternehmens an, in zwei Wochen folgt dann im längst ausverkauften Volksparkstadion das Rückspiel gegen den dänischen Vizemeister Bröndby IF und die endgültige Entscheidung darüber, ob der Sprung in die europäische Elite der Kicker und Kassierer gelungen ist.

Genauso hat es Hertha BSC den Hamburgern vor einem Jahr vorgemacht. Die Erfolge der Berliner dienen als leuchtendes Beispiel, was sich durch die Champions League so alles anstellen lässt - auch an der Elbe. "Einen Stefan Beinlich konnten wir uns nicht leisten", sagte Trainer Frank Pagelsdorf, als die Verpflichtung des ehemaligen Leverkuseners bekannt wurde. Noch nicht, wird er gedacht haben. Der Sportdirektor kleidet das Unternehmen Champions League in überaus attraktive Zahlen. "40 Millionen Mark etwa hat Hertha in der letzten Saison eingenommen", sagt Holger Hieronymus. "In der Champions League wird ein Wahnsinnsgeld bewegt, und daran wollen wir natürlich auch teilhaben."

Für den Vereinspräsdidenten Werner Hackmann ist das heutige Gastspiel in Kopenhagen gar "das wichtigste Spiel in der Vereinsgeschichte seit 1983". Damals wurden die Hamburger Deutscher Meister und Europacupsieger. Hieronymus und Teammanager Bernd Wehmeyer erinnern sich noch gut daran: Sie standen damals in der Finalelf von Athen. Felix Magath, heute Trainer von Eintracht Frankfurt, schoss das Tor zum 1:0-Sieg über Juventus Turin. Jedes Mal, wenn die heutige Generation HSV-Profis aus den Katakomben das neue Volksparkstadion betritt, wird sie durch ein großes Foto an diese Zeit erinnert. 25 000 Mark Siegprämie gab es damals pro Kopf, jetzt liegen etwa 2,5 Millionen für die Mannschaft bereit - wohlgemerkt, nur für den Einzug in die erste Hauptrunde.

Um 16 Uhr hatte Pagelsdorf am Montag kurz nach der Anreise seine Spieler in dem südlichen Vorort der dänischen Hauptstadt zum Training im Bröndby-Stadion versammelt. Das übliche Programm vor wichtigen Spielen. Bisschen Laufen, bisschen Bällchen kreisen lassen, bisschen flanken. Keine schweren Sachen mehr. Heute vormittag noch etwas auslaufen und Ruhe, Ruhe, Ruhe. Und Konzentration. Denn der Hamburger Trainer fürchtet eigentlich nur eins: "Uns fehlt nun mal die internationale Erfahrung. Das ist absolutes Neuland. Das hat uns Bröndby deutlich voraus."

Mehr aber fällt dem akribischen Arbeiter Frank Pagelsdorf nicht ein, wenn man ihn nach den Stärken der Dänen fragt. Sechsmal hat er sie beobachtet, hat eine 22 Seiten dicke Kladde durchgearbeitet, diverse Videostunden mit taktischer Analyse verbracht. Zur Krönung ließ er sogar die von Bröndby bevorzugten Bälle nach Hamburg einfliegen. Frank Pagelsdorf weiß fast alles über den Gegner, sein Kollege Aage Hareide weiß so gut wie nichts. Assistenz-Coach Lars Olsson schaute sich nur den 2:0-Sieg am Sonnabend im Test bei Arminia Bielefeld an, und da ließ Pagelsdorf mit Ausnahme von Sergej Barbarez komplett die zweite Garnitur antreten.

Bröndby ist in der dänischen Meisterschaft nach drei Spielen noch ohne Sieg. Eigentlich spricht nur eins für den Außenseiter: dass der Gegner aus Deutschland kommt. "Wir Dänen wollen immer gegen Deutsche gewinnen", sagt Stig Töfting, der dänische Profi in Hamburger Diensten. "Das ist für uns ungefähr so, als wenn wir unseren großen Bruder ärgern würden." Und das ist dem achtfachen Dänischen Meister bereits gut gelungen. Fünfmal schon schaltete Bröndby deutsche Mannschaften im Europapokal aus, zuletzt unterlag Bayern München in der Champions League 1998 im Bröndby-Stadion mit 1:2 - aber der HSV will ja auch nicht von den Bayern lernen ...

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