Hamburger SV : Van der Vaarts zweifelhafte Schmerzen

HSV-Star Rafael van der Vaart zieht es nach Valencia. Jetzt zwickt der Rücken, so dass er in der Uefa-Cup-Quali vielleicht nicht zum Einsatz kommt. Simuliert der holländische Mittelfeldspieler?

Karsten Doneck
Rafael
Rafael van der Vaart will nach Valencia. Kurz vor dem Spiel gegen Honved Budapest schmerzt der Rücken, weil er seinen Sohn auf den...Foto: ddp

Berlin - Für Khalid Boulahrouz endete die Qualifikation für die Champions League schon rund 25 Minuten vor dem Anstoß. Auf einer Trage wurde der Abwehrspieler des Hamburger SV in die Kabine zurückgebracht. Beim Aufwärmen sei er umgeknickt, der Knöchel schmerze, jammerte Boulahrouz. Die ärztliche Diagnose fiel eindeutig aus: nichts kaputt – kein Bruch, kein Band gerissen. Kurze Zeit später wechselte Boulahrouz für zwölf Millionen Euro zum FC Chelsea. Und durfte dort in der Champions League spielen. Wäre er damals, wie vorgesehen, für den HSV gegen CA Osasuna aufgelaufen, hätte er bei seinem neuen Klub im europäischen Wettbewerb nicht eingesetzt werden dürfen. Die Geschichte dieser möglicherweise nur vorgetäuschten Verletzung ist inzwischen über ein Jahr alt. Wiederholt sie sich nun mit einem neuen Hauptdarsteller?

Heute (19 Uhr, live bei Eurosport) tritt der HSV in der Qualifikation zum Uefa- Pokal bei Honved Budapest an. Mitgeflogen in Ungarns Hauptstadt ist auch Rafael van der Vaart. Allerdings: Der Spielmacher der Hamburger wurde, so teilte der Klub mit, ohne zunächst nähere Angaben machen zu wollen, gestern vor dem Abflug nach Budapest „medizinisch behandelt“. Van der Vaarts Erklärung fiel folgendermaßen aus: „Ich habe meinen kleinen Sohn hoch genommen und mich dabei verhoben.“ Will sich da erneut einer vor einem Einsatz drücken? Van der Vaart widerspricht: „Wenn es so bleibt, kann ich spielen.“

Um Rafael van der Vaart buhlt, wie berichtet, intensiv der FC Valencia, bei dem auch der deutsche Torhüter Timo Hildebrand unter Vertrag steht. Würde der niederländische Nationalspieler heute für den HSV gegen Budapest auflaufen, wäre er, sollte der Transfer zum FC Valencia danach zustandekommen, in der Champions League für die Spanier frühestens vom Achtelfinale an einsetzbar. Orientiert sich van der Vaart jetzt an seinem früheren HSV-Kollegen Boulahrouz und spielt, frei nach Molière, den eingebildeten Kranken? Ist sein Verhalten gar ein Zeichen an Valencia, sich noch mal nachhaltig um ihn zu bemühen?

Van der Vaart hat natürlich mitbekommen, dass sich der FC Valencia am Dienstag im Qualifikations-Hinspiel zur Champions League mit 3:0 gegen IF Elfsborg Boras behauptet hat. Die Spanier können damit fast sicher für die Gruppenphase planen. Das verheißt neue Millioneneinnahmen, durch die auch das Angebot an den HSV von bisher 14 Millionen Euro Ablöse für van der Vaart noch einmal kräftig nachgebessert werden könnte.

„Er bleibt“, bestimmte HSV-Vorsitzender Bernd Hoffmann dennoch. „Rafael muss jetzt den Kopf freibekommen“, fordert Sportchef Dietmar Beiersdorfer. Aber sicher ist sich beim HSV niemand mehr. Zwar hat van der Vaart einen Vertrag bis 2010 unterschrieben mit der Vergünstigung, dass er 2009 für nur 1,5 Millionen Euro festgeschriebene Ablöse wechseln könne. Aber ein lustloser Spielmacher würde dem HSV kaum nutzen. Was Trainer Huub Stevens nicht anficht. „Im Moment hat er Schmerzen, das ist schlimm“, sagt Stevens. „Aber wenn er fit ist, spielt er in Budapest.“ Am Abschlusstraining konnte van der Vaart gestern immerhin schon mal mitwirken. (mit dpa)

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