Sport : Hamburger SV: Volksparkstadion online

Der Verkauf der Namensrechte am Hamburger Volksparkstadion an den weltweit größten Internetanbieter AOL erregt weiterhin für großes Aufsehen. Die Aktion spaltet nicht nur die Fan-Gemeinde des Hamburger SV in zwei Lager. Die am vergangenen Freitag überraschend beschlossene Umbenennung des 55 000 Zuschauer fassenden Stadions in AOL-Arena hat auf vielerlei Ebenen sowohl Zuspruch als auch blankes Entsetzen und heftige Proteste ausgelöst. Der neue Name soll, so sehen es die vertraglichen Vereinbarungen vor, zumindest für die nächsten fünf Jahre Bestand haben.

Anerkennung zollten Fußball-Anhänger dem HSV für die zusätzliche Einnahme von 30 Millionen Mark, die der Bundesligist in die Verstärkung der Mannschaft investieren will. Wie die "Bild am Sonntag" meldet, sollen die Hamburger sich nun ernsthaft um Jardel, den Torjäger von Galatasaray Istanbul, bemühen. Nicht zuletzt aus solchen Gründen hieß es in Faxmitteilungen und Internetbeiträgen von HSV-Anhängern, die Entscheidung sei weitsichtig und der HSV endlich einmal Vorreiter.

Andere beschimpften die Vereinsführung um Präsident Werner Hackmann allerdings als skrupellose Truppe, die "sogar ihre eigene Großmutter verkaufen würde". Beim Freundschaftsspiel des HSV am vergangenen Freitag gegen den Bezirksoberligisten Blau-Weiß Wesselburen (Endstand: 10:0) regte sich schon mal besonders augenfällig der Widerstand: Aus Protest gegen die Stadionumbenennung besetzten 40 Fans das Spielfeld und breiteten auf dem Anstoßpunkt ein Transparent aus mit der Aufschrift: "Hackmann: Seelenverkauf".

Auch Investor Harry Harkimo meldete sich recht ungehalten zu Wort. Er bezeichnete den Deal schlicht und einfach als "eine Sauerei". Der finnische Investor baut in unmittelbarer Nähe zum Stadion eine 15 000 Plätze bietende Großhalle für Sport und Show und hat diese seit langem "Arena" getauft. In einem wütenden Protestbrief forderte Harry Harkimo nun den HSV-Präsidenten Werner Hackmann auf, die Fußball-Spielstätte des Vereins auch weiterhin als Stadion zu bezeichnen. "Wir sind stinksauer. Das ist eine sehr peinliche Nummer und eine Katastrophe für die Stadt", grollt Wolfgang Raike, der Sprecher der (Hallen-)Arena GmbH. Raike weiter: "Herr Harkimo fühlt sich von Werner Hackmann hintergangen. Das ist keine faire hanseatische Art."

Während Hamburgs Bürgermeister Ortwin Runde die Umbenennung als "eine großartige Entscheidung und ein Bekenntnis von AOL zum Standort Hamburg" feierte, bedauerte der ehemalige HSV-Präsident Peter Krohn den Rechteverkauf. "Das ist ein weiterer Schritt in die totale Kommerzialisierung", klagte Krohn, der erst wenige Tage zuvor aus gesundheitlichen Gründen seine Tätigkeit im Aufsichtsrat des Vereins beendet hatte.

HSV-Idol Uwe Seeler, dessen Name auch lange Zeit für das neue, insgesamt 191 Millionen Mark teure Volksparkstadion in der Diskussion war, wollte zu dem deutschlandweit einzigartigen Vorstoß nicht so recht Stellung beziehen. "Der HSV hat das so entschieden, ich habe dazu nichts zu sagen. Das ist ein Geschäft. Fertig, aus. Ich nehme das zur Kenntnis", meinte der Ehrenspielführer der Nationalmannschaft.

Weitaus drastischere Worte fand Walter Frosch, früher Profi beim Nachbarn FC St. Pauli. "Der HSV verkauft sich mit Leib und Seele", sagte Frosch, "ich finde so etwas richtig beschissen."

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