Sport : Hamburger SV: Zeit für wichtigere Dinge

Karsten Doneck

Von Mitternacht an hätte er Geburtstag feiern können. Bernd Hollerbach wurde am Freitag schließlich 31. Ein bisschen Schampus vielleicht oder wenigstens ein gepflegtes Pils? "Mir ist nicht nach Feiern zumute", knurrte Hollerbach nur. Das war rund zwei Stunden vor Mitternacht und unmittelbar nach der 0:3 (0:1)-Niederlage des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV im Uefa-Cup-Rückspiel gegen AS Rom. Hollerbachs Mannschaftskameraden Andrzej Panadic veranlasste diese Abfuhr zu der nüchternen Feststellung: "Europa ist vorbei, jetzt haben wir Zeit für wichtigere Dinge."

Der Hamburger SV, vorige Saison noch bärenstark und deshalb von manchen Experten diesmal sogar als meisterschaftsverdächtig eingestuft, hat seine letzten sechs Pflichtspiele verloren. Vier Niederlagen nacheinander in der Bundesliga, dazu zwei gegen AS Rom: Der HSV ist von Wolke sieben herabgefallen. Die Römer zeigten den Hamburgern schonungslos, wo beim Bundesliga-Zehnten sportlicher Nachholbedarf besteht, um international auf höchstem Niveau konkurrenzfähig zu sein. Hamburgs Trainer Frank Pagelsdorf gestand neidlos ein: "Rom hat uns vorgemacht, wie man in der Defensive stehen muss und wie man schnell umschaltet von Abwehr auf Angriff. Da konnte man eine ganze Menge lernen."

Die Zwischenrunde in der Champions Laegue haben die Hamburger verpasst, im Uefa-Pokal war die erste Station die letzte. Rund 45 Millionen Mark verbuchte der Klub dennoch an Einnahmen aus dem internationalen Geschäft. Insgesamt steht der HSV finanziell gut da. "Wir können auf einen ausgesprochen positiven Geschäftsverlauf zurückblicken", sagte der Vorstands-Vorsitzende Werner Hackmann, "unsere Investitionen haben sich ausgezahlt, wir haben eine gute Grundlage für die kommenden Jahre." Die Einnahmen in der Saison 1999/2000 wurden auf eine neue Rekordhöhe von 75,630 Millionen Mark gesteigert.

Der Verein zahlt für sein internationales Engagement aber auch einen Preis. In der Bundesliga liegt die Mannschaft nur noch drei Punkte vor einem Abstiegsplatz. "Ich habe in dieser Saison schon 25 oder 26 Spiele hinter mir, das geht in die Knochen", stöhnte Verteidiger Panadic über die Belastung. Klagen hilft nicht, am Sonntag muss er mit dem HSV schon wieder ran. Dann gastiert Aufsteiger Energie Cottbus im Volksparkstadion. "Unsere ganze Aufmerksamkeit gilt jetzt dieser Partie", gab Hackmann nicht einmal fünf Minuten nach der Partie gegen AS Rom die neue Parole aus.

Verliert der HSV auch noch dieses Spiel, brennt in Hamburg mit Sicherheit nicht nur der Weihnachtsbaum. Doch zumindest Andrzej Panadic ist überzeugt von Besserung. "Es wird die Zeit kommen, wo wir auch wieder gewinnen. Und die Zeit dafür ist reif, und zwar jetzt", sagt er. Und vielleicht kann dann Bernd Hollerbach ja doch noch eine Geburtstagslage schmeißen.

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