Sport : Hamburger Tanzsportverein

Der HSV zelebriert seine Erfolge auf ungewöhnliche Art – auch am Mittwoch im DFB-Pokal in München?

Steffen hudemann[Bremen]

Zu den Bildern, an die man sich am Ende dieser Bundesligasaison erinnern wird, gehört sicherlich der Hamburger Fußballtanz. Die Mischung aus unkontrolliertem Gehopse und afrikanischen Rhythmen, die die Profis des HSV mit ihren Fans nach jedem erfolgreichen Spiel zelebrieren, steht für den Spaß, mit dem die Hamburger die Liga bereichern. Dieses Ritual wird auch in fremden Stadien praktiziert, am Sonntag wurde das Bremer Publikum erstmals Zeuge dieses Spektakels – dabei hatte der HSV gar nicht gewonnen, fühlte sich nach dem 1:1 aber so. Zum Ende der Hinrunde haben die Hamburger den zweiten Platz verteidigt, sie sind damit die Überraschung dieser Saison.

Trainer Thomas Doll befiel nach dem Spiel vorweihnachtliche Sentimentalität, als er um ein Fazit der ersten 17 Partien gebeten wurde. „Wenn es irgendwann mal nicht so läuft, werde ich mich immer wieder an diese Momente im Jahr 2005 erinnern“, sagte Doll. „Die kann mir keiner mehr nehmen.“ Eine äußerst intensive Arbeitswoche ist für den HSV aber noch nicht beendet. Nach dem Sieg im Uefa-Cup über Slavia Prag (2:0) am vorigen Donnerstag und dem 1:1 in der Bundesliga beim SV Werder folgt erst an diesem Mittwoch (20.30 Uhr, live in der ARD) der Jahresabschluss: das DFB-Pokal-Achtelfinale bei Bayern München. Da wollen die Tanzwütigen aus Hamburg ihrem Bewegungsdrang wieder freien Lauf lassen.

Wie sich die Zeiten doch gleichen: Vor zwei Jahren hatte der HSV auch 1:1 gegen Bremen gespielt. Und musste danach im Pokal beim FC Bayern antreten, ebenfalls im Achtelfinale, ebenfalls im Dezember. „Wenn wir alle einen Schokoladentag erwischen, ist ein Sieg möglich“, sagte der damalige HSV-Trainer Klaus Toppmöller vorher. Der HSV verlor in München 0:3 und schied aus. Und diesmal?

Die Erkenntnis aus dem Nordderby vom Sonntag ist, dass der Norden den Süden zumindest in Sachen Meisterschaft in dieser Saison kaum in Gefahr bringen kann. Den Bremern, die im Pokal am Mittwoch bei Hannover 96 spielen, fällt es schwer, ihre spielerische Überlegenheit gegen gleichwertige Gegner in Siege einzulösen. Die Hamburger sind effektiver, sie beeindrucken durch ihren Zusammenhalt. Doch fehlt dem HSV in der Offensive die Klasse, die Werder auszeichnet. Wenn Rafael van der Vaart ausfällt, folgt ihm niemand, der das Spiel ähnlich lenken kann. Und im Sturm kann der HSV mit den Konkurrenten Bremen und München nicht mithalten. Auch am Sonntag lief das Spiel am schwachen Benjamin Lauth vorbei. Der für ihn eingewechselte Naohiro Takahara bereitete den Ausgleich vor, doch auch er spielt zu schwankend.

In den sechs Wochen bis zum Rückrundenstart wird sich wohl keiner der beiden Nordklubs auf den Transfermarkt begeben. Die Winterpause taugt allenfalls für Noteinkäufe, „sie ist keine Zeit für gute Geschäfte“, wie Werders Sportdirektor Klaus Allofs sagt. Werder und der HSV planen bereits für die neue Saison. Wenn beide ihre Stammkräfte beieinander halten und sich gezielt verstärken – Bremen hinten, Hamburg vorn – dann könnte im Nordderby irgendwann auch die deutsche Meisterschaft ausgespielt werden.

Gegen den HSV hatten die Bremer – eine Halbzeit lang – wieder mal wunderschönen Fußball gezeigt, der nur einen Makel hatte: Ihm fehlte der Erfolg. Von zahlreichen Möglichkeiten führte nur Micouds Freistoß Ende der ersten Halbzeit zu einem Tor, während der HSV nach der Pause Werders nachlassende Konzentration zum Ausgleich durch Kucukovic nutzte. „Die Bayern spielen oft nicht so gut und gewinnen“, sagte Klaus Allofs. „Wir spielen brillant, aber nur unentschieden. Deshalb haben die Bayern 44 Punkte und wir nicht.“

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