Hamburgs Jungstar : Calhanoglu saniert den HSV

Hakan Calhanoglu hat Rafael van der Vaart nicht nur als Freistoßschütze, sondern auch als Hoffnungsträger abgelöst. Der 20-Jährige soll den Hamburger SV zum Klassenerhalt schießen - dank der Karlsruher Connection.

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Hiergeblieben! Rafael Van der Vaart (hinten) herzt Hakan Calhanoglu.
Hiergeblieben! Rafael Van der Vaart (hinten) herzt Hakan Calhanoglu.Foto: dpa

Rafael van der Vaart hatte am Sonntag einen seiner besseren Tage. Der Kapitän des Hamburger SV lief viel und machte, was er schon immer gern gemacht hat, nämlich im entscheidenden Moment den entscheidenden Pass zu spielen. Von einer anderen lieb gewonnenen Gewohnheit aber musste der Niederländer beim 2:1 über den 1. FC Nürnberg lassen. Mag sein, dass van der Vaart bei der WM in Brasilien die Freistöße schießen darf, trotz teaminterner Konkurrenz von Arjen Robben oder Wesley Sneijder. In Hamburg ist dieser Job vergeben. An Hakan Calhanoglu, den Hamburger Türken aus Mannheim, er spielt seine erste Bundesligasaison und hat vor ein paar Wochen seinen 20. Geburtstag gefeiert.

Als dem HSV am Sonntag in aussichtsreicher Position ein Freistoß zugesprochen wurde, unternahm van der Vaart erst gar keinen Versuch, zur Exekution zu schreiten. Wie zur Rechtfertigung erzählte er später noch einmal von diesem sagenhaften Tor, das Calhanoglu vor zwei Wochen gegen Borussia Dortmund geschossen hat. Natürlich per Freistoß, aus knapp 40 Metern, der Dortmunder Torhüter Roman Weidenfeller hatte nicht einmal eine Mauer gestellt und hechtete hilflos dem angeschnittenen Ball hinterher. Beim Freistoß am Sonntag bekam der Nürnberger Raphael Schäfer noch die Hand dazwischen, aber es wurde doch noch ein schöner Tag für Calhanoglu und den HSV. Elf Minuten vor Schluss schoss er zum zehnten Mal an diesem Nachmittag aufs Tor, das ist ein in der Bundesliga selten erreichter Spitzenwert und er bescherte den Hamburgern endlich den hochverdienten und wegweisenden Führungstreffer. Zwar hatte Nürnbergs Mike Frantz dem Ball die entscheidende Richtungsänderung ermöglicht, aber daran mochte sich niemand ernsthaft stören.

Es war in Calhanoglus 24. Bundesligaspiel das achte Tor. „Ich hätte nie gedacht, dass es so gut läuft“, sprach der Hamburger Publikumsliebling und dass er natürlich hoffe, es kämen noch ein paar Tore dazu, der HSV kann sie gut brauchen im immer noch nicht ausgestandenen Abstiegskampf. Hakan Calhanoglu hat in seiner jungen Profikarriere schon einiges erlebt. Im Frühling 2012 den Abstieg mit dem Karlsruher SC aus der Zweiten Liga und im Jahr darauf den direkten Wiederaufstieg, Calhanoglu hat ihn mit 17 Toren erst möglich gemacht. Da gehörte er schon dem HSV, drehte aber auf Leihbasis noch eine Ehrenrunde im Badischen.

Oliver Kreuzer kann sich noch gut erinnern, wie die Verhandlungen damals liefen. Kreuzer leitet heute den HSV als Sport-Vorstand an, aber den Calhanoglu-Transfer wickelte er noch in Karlsruher Diensten ab. Kreuzer hatte Calhanoglu aus der Karlsruher A-Jugend zu den Profis hochgeholt. Eigentlich war er sich schon mit Werder Bremen einig, aber dann kam eine Anfrage aus Hamburg. Werders Manager Klaus Allofs vermutete eine Finte zwecks Hochtreiben des Preises, „er hat mir einfach nicht geglaubt, dass ein anderer Klub mehr Geld für Hakan bezahlen wollte“, sagt Kreuzer. Am Ende wurden sich beide Seiten für geschätzt 2,5 Millionen Euro handelseinig. Die beleidigten Bremer sagten nicht einmal ab, was Calhanoglu ihnen bis heute übel nimmt.

Nach dem Karlsruher Aufstieg verabschiedete sich Oliver Kreuzer im vergangenen Frühling von Calhanoglu, „und natürlich habe ich nie und nimmer damit gerechnet, ihn so schnell wiederzusehen“. Dann aber trennte sich der HSV von seinem Manager Frank Arnesen und ein paar Tage später fragten die Hamburger an, ob Kreuzer seinen Zögling nicht begleiten wolle. Finanziell hat sich die Karlsruher Connection längst ausgezahlt für den hoch verschuldeten HSV. Angeblich hat Galatasaray Istanbul im vergangenen Jahr zehn Millionen Euro für Calhanoglu geboten. Dass er seinen Vertrag in Hamburg trotz akuter Abstiegsnot bis 2018 verlängerte, war seiner Beliebtheit in Hamburg nicht eben abträglich.

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