Sport : Hamilton schlängelt sich durch

Der Mercedes-Fahrer ist der Formel-1-Pilot der Stunde – wird er Vettel im Titelkampf noch gefährlich?

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Da lang geht’s zum Titel? Lewis Hamilton im Fahrerlager von Spa. Foto: AFP
Da lang geht’s zum Titel? Lewis Hamilton im Fahrerlager von Spa. Foto: AFPFoto: AFP

Spa - Ausweichen, das hat Lewis Hamilton inzwischen gelernt. Auf der Strecke wird der einstige Pistenrowdy der Formel 1 immer seltener in Rangeleien verwickelt, und auch in Zivil weiß er sich mittlerweile galant durchzuschlängeln. Nach seinem Sieg beim vergangenen Rennen in Ungarn wird er in schöner Regelmäßigkeit darauf angesprochen, ob er nun der schärfste Titelrivale von Sebastian Vettel im WM-Titelkampf sei. Eine klare Antwort dazu umfährt der Mercedes-Pilot weiträumig und erklärt stattdessen: „Ich konzentriere mich nicht auf Dinge, die über mich gesagt werden. Ich versuche einfach, meinen Job zu tun, wie ich es auch bisher getan habe.“

Doch der Statistik kann man nicht so einfach ausweichen. Zwar liegt Hamilton in der WM-Wertung vor dem Rennen in Belgien am Sonntag mit 124 Punkten nur auf Rang vier hinter dem Spitzenreiter Vettel (172), Seit dem Grand Prix von Monaco ist der Weltmeister von 2008 aber der eifrigste Punktesammler hinter Vettel. 83 Punkte holte der Heppenheimer, 74 der Brite. Die eigentlich bisher als Hauptkonkurrenten geführten Fernando Alonso (Ferrari) und Kimi Räikkönen (Lotus) holten in der Zeit nur 61 respektive 49 Zähler.

Bei Ferrari funktionierten die letzten Neuerungen am Auto so schlecht, dass man sie teilweise zurückbauen musste. Fernando Alonsos Kritik an dem zu langsamen Auto stieß bei seinen Bossen auf wenig Gegenliebe, auch wenn der Spanier in Spa versuchte, den Krach als „sprachliches Missverständnis“ darzustellen. Und bei Lotus sorgen die finanziellen Schwierigkeiten dafür, dass die Weiterentwicklung des Wagens bis zum Saisonende weitgehend eingefroren ist. Dagegen ist Hamiltons Wagen seit Monaco immer schneller geworden, weil Mercedes die Reifenprobleme seither im Griff hat – ob das nun mit dem umstrittenen Geheimtest mit Pirelli zu tun hatte oder nicht. Der frühere Formel-1-Pilot Marc Surer glaubt, dass Hamilton Vettel in der zweiten Saisonhälfte noch am ehesten unter Druck setzen könnte. „Sie haben bei Mercedes schließlich das schnellste Auto und scheinen jetzt auch mit den Reifen klarzukommen – irgendwann muss sich das doch auszahlen.“

Aller taktischen Zurückhaltung zum Trotz hat Hamilton offensichtlich auch seine Chance in diesem Jahr erkannt. Stolz berichtet er, dass er fitter denn je aus der Sommerpause an die Strecke komme. „Ich habe wirklich hart trainiert“, sagt er. Erstmals habe er sechs Trainingseinheiten pro Woche absolviert, „im Gegensatz zu den Jahren zuvor, als ich die Pause genutzt habe, um Ferien zu machen und nur zwei-, dreimal die Woche trainiert habe. Heute und hier fühle ich mich motivierter als je zuvor.“

Natürlich motiviert ihn auch, dass er bei seinem neuen Rennstall schon deutlich früher ein konkurrenzfähiges Auto hat, als er selbst gedacht hatte. „Ich hatte zwar bereits im letzten Jahr genau darauf geachtet, was sich bei Mercedes tut, aber dass wir jetzt schon so weit vorne liegen würden, hätte ich nicht gedacht“, sagt der 28-Jährige. Bei der Konkurrenz nimmt man Hamilton und Mercedes als WM-Rivalen jedenfalls sehr ernst. „Mit der Form von Ungarn ist er auf der Jagd nach dem Titel“, sagte Ferrari-Pilot Alonso. Und angesprochen auf seine schärfsten Titelkonkurrenten sagte Vettel über Hamilton: „Er ist einer von ihnen.“

Aber auch die Bosse der Silbernen weichen der Diskussion um den Titel lieber aus. Aufsichtsratschef Niki Lauda, sonst immer für einen deutlichen Spruch gut, wiegelt ab: „Die theoretische Chance, dass wir den Titel noch holen können, ist natürlich da. Auf dem Papier gibt es sie, aber in der Praxis wird das sehr schwierig.“ Red Bull sei immer noch überlegen, „und sie haben einen Punktevorsprung. Wir haben in den letzten Rennen aufgeschlossen, aber in der letzten Konsequenz sind sie die Stärkeren.“ Karin Sturm

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