HAND gestoppt : Ein Werfer sucht Haltung

Friedhard Teuffel über die Einfälleund Ausfälle von Robert Harting

Als Rabauke besitzt Robert Harting durchaus Unterhaltungswert. Er zerreißt sich in der Arena sein Trikot, sagt, dass der Präsident des Deutschen Leichathletik-Verbands keine Idee und keine Liebe für seinen Sport übrig habe, und legt sich gerne mal mit seinen Gegnern an. So als wäre er gerade noch rechtzeitig aus dem Big-Brother-Container entkommen. Als Sportler hat er freilich noch höheren Unterhaltungswert, das hat er mit seinem dramatischen Sieg im Olympiastadion gezeigt.

Manchmal hat Harting auch regelrechte Denkanfälle und räsoniert gefühlig über sich und die Welt. Und manchmal hat er Denkausfälle, den schlimmsten bisher öffentlichen nach der Qualifikation, als er den DDR-Dopingopfern den Diskus an den Kopf wünschte, damit sie nicht mehr sehen können. Damit bestätigte Harting das Klischee von den rohen Kräften, die sinnlos walten. Hartings verbale Gewalt hatte jedenfalls mit Geschmacksfragen nichts mehr zu tun.

Ihn deshalb in irgendeiner Form zu bestrafen, wäre jedoch keine pädagogisch wertvolle Maßnahme, bei einem Dickschädel wie ihm würde das wohl nur zu einer Trotzreaktion führen. Er würde sich und seinen Trainer Werner Goldmann weiter bedingungslos verteidigen, anstatt sich auch in dieser Angelegenheit so viele Gedanken zu machen, wie er sie sich um andere Dinge auch macht. Zugute halten kann man ihm, dass er seine große weltmeisterliche Bühne am Mittwoch nicht nur zum Feiern genutzt hat, sondern auch in einer Kurzansprache ans Publikum für eine Entschuldigung: „Für alle, die Wut haben: tut mir leid“.

Vielleicht gibt ihm nun sein großer, internationaler Titel die Souveränität, sich in der Frage um Doping in Vergangenheit und Gegenwart eine Haltung zuzulegen.

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