HAND  gestoppt : Junger Gegenwind

Frank Bachner entdeckt die Zukunftder deutschen Leichtathletik

Man kann natürlich lächeln über Raul Spank. Oder den Kopf schütteln. Da ist der Kerl gerade mal 21 Jahre alt und hat eine Bronze-Medaille im Hochsprung gewonnen, aber redet schon davon, mal quasi unsterblich zu werden als Sportstar. Natürlich kommt das so rüber, als mache da einer eine Riesenwelle. Aber einer wie Spank steht auch für eine interessante Denkweise. Man muss sich bewusst hohe Ziele setzen, wenn man etwas erreichen will. Spank steht damit für eine neue Generation von Athleten, von Leuten, die den Biss haben, der echte Kämpfer auszeichnet. Wie weit sie letztlich kommen, ist eine andere Frage. In einer dopinglastigen Sportart wie der Leichtathletik sollten die Ziele nicht zu hoch sein, sonst wird’s schwierig.

Die jungen deutschen Hürdensprinter oder der 200-Meter-Läufer Robert Hering, gerade mal 19 Jahre alt, sind Lichtblicke für diese Sportart, die gerade heftig um ihren Stellenwert in der öffentlichen Wahrnehmung kämpft. Auch die Zehnkämpfer, Protagonisten der symbolträchtigsten Disziplin der Leichtathletik, leben diese Denkweise. Michael Schrader, Arthur Abele, Norman Müller, das sind Talente, die diesen unbedingten Willen haben. Schrader und Abele sind aus Verletzungsgründen gar nicht bei der WM, aber ihnen gehört die Zukunft.

Im Stabhochsprung fordern die jungen Wilden die Routiniers heraus. Malte Mohr, auch wenn er gestern früh scheiterte, und Raphael Holzdeppe sind Vertreter einer Generation, die Ecker und Lobinger das Leben schwerer machen. Holzdeppe fehlt bei der WM, aber auch er ist ein Mann der Zukunft.

Spank wunderte sich 2008, dass viele, vor allem ältere Athleten, im deutschen Olympiateam mit der bloßen Teilnahme an den Spielen zufrieden waren. Im WM-Team 2009 fand er niemanden mit dieser Einstellung. Der Hinweis auf das Alter ist natürlich zu eindimensional. Ob jemand enorme Willensstärke und Kampfgeist entwickelt, ist keine Frage des Alters. Es ist eine Frage der Denkweise. Was Spank meint, ist, dass Athleten wie jene deutschen Sprinter fehlen, die vor einigen Jahren mal ernsthaft verkündeten, sie bräuchten jetzt erst gar nicht zu versuchen, schnell zu laufen. Es herrsche Gegenwind.

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