Sport : Handball: Aufgemotzt

Arnulf Beckmann

Am Ende war die Stimmung sichtlich gelöst. Mit 30:28 (13:15) hatte der Handball-Bundesligist THW Kiel im Heimspiel den amtierenden Deutschen Meister SC Magdeburg bezwungen und damit seinen Teil dazu beigetragen, dass einer gelungenen Premierenfeier in der komplett renovierten und erweiterten Ostseehalle nichts mehr im Wege stand. Magnus Wislander, der alte Schwede in Diensten der Norddeutschen flachste - schweißnaß und erschöpft - auf dem Weg zum Auslaufen, er und seine Mitstreiter "werden jetzt an der Halle weiterarbeiten".

Nötig hätte sie es. Schließlich werden die Restarbeiten in und um die Halle herum noch ein paar Wochen in Anspruch nehmen. Die Außenanlagen müssen noch gestaltet werden, und auch ein neues Handball-Parkett soll in den nächsten Tagen noch verlegt werden. "Alles haben wir nicht mehr fertig bekommen", sagte Uwe Schwenker, der Manager des THW Kiel. "Wie immer bei solchen gewaltigen Umbauten gibt es kleinere Probleme logistischer und organisatorischer Art."

Doch auch so präsentiert sich die aufgemotzte Heimstätte der Kieler in schmuckem Gewand. Rund 50 Millionen Mark flossen in den Umbau, den drei Wirtschaftsunternehmen aus Schleswig-Holstein finanzierten. In der Rekordzeit von nur vier Monaten konnte so aus der in die Jahre gekommenen Ostseehalle eine Veranstaltungsarena modernen Zuschnitts werden. Mit viel Stahl und Glas, mit VIP-Zonen und - das ist neu in der Handball-Bundesliga - mit Logen. Alle elf konnten sofort vermietet werden. Die Logen waren "auch ohne Akquise ruck-zuck weg", sagt Schwenker

Das hatte der Kieler Manager auch nicht anders erwartet. Von weit größerer Zurückhaltung war er jedoch noch vor Monaten bei der Einschätzung, wie das Interesse an den zusätzlich geschaffenen Plätzen ausfallen würde. Die Heimspiele des THW waren, laut Schwenker, auch deshalb über viele Jahre hinweg mit mehr als 7000 Besuchern ständig ausverkauft, weil "es so etwas wie eine Politik des Mangels gab". Mit der Erweiterung befürchtete der Manager der Kieler eine entsprechende Inflation.

Schwenkers Sorgen waren unbegründet. Die Dauerkarte beim Branchenführer der Handballer ist in Schleswig-Holstein immer noch eine harte Währung. Die mehr als 2500 zusätzlichen Plätze waren im Handumdrehen vergeben. Schon lange vor dem offiziellen Erstverkaufstag waren die Wartelisten mit Vorbestellungen fast endlos lang. Zauderer hatten keine Chance. "Wir sind dicht", meldete der Manager des THW bereits Wochen vor Saisonbeginn. Wer leer ausging, wird lange warten müssen oder darauf hoffen, dass er irgendjemanden beerben kann: In Kiel heißt es immer, es sei Sitte, dass die Karten von den Eltern an die Kinder weitergegeben werden.

Das ist natürlich übertrieben. Nicht übertrieben ist indes die Behauptung, dass der erfolgreichste Bundesliga-Verein der Neunzigerjahre sich damit die Rahmenbedingungen geschaffen hat, die sportlich vorübergehend verlorene Poleposition zurückzuholen. Rund 1,5 Millionen Mark Mehreinnahmen erwirtschaftet der THW dank der Logen und des neu geschaffenen Oberrangs. Übrig bleiben für die Handballer allerdings nur 750 000 Mark: Die andere Hälfte der Gewinnsumme fließt, wie vereinbart, auf das Konto der Investorengruppe. Der Gesamtetat erhöht sich für diese Saison auf geschätzte sechs Millionen Mark. "Die exakte Summe habe ich vergessen", sagt Schwenker lachend.

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