Handball : Aufstieg zu Heidi Klum

Per Vermarktervertrag wollen die Berliner Füchse an die Spitze. Dabei soll das Geld der Sportvermarktungsagentur IMG helfen - es soll weitestgehend in die Mannschaft investiert werden.

Christian Hönicke

BerlinFrank Steffel verlor den Kampf gegen sein Grinsen. „Das ist ein historischer Tag“, sagte der Präsident der Reinickendorfer Füchse, Mutterverein des Handball-Bundesligisten Füchse Berlin. Damit meinte Steffel nicht unbedingt die Verpflichtung des Spaniers Jonathan Rivera für die am 3. September beginnende Saison und schon gar nicht den Abgang von Toni Kern nach Zürich. Auch dass die Saisonspiele gegen Lemgo, Magdeburg und Kiel in der neuen O2-World ausgetragen werden, war eher nebensächlich. Historische Dimension hatte für die Füchse Berlin vor allem der Abschluss eines Vertrags mit der Sportvermarktungsagentur IMG. 10 Jahre lang wird die US-amerikanische Firma nun für die Berliner unter anderem auf Sponsorensuche gehen.

Dass IMG, eine der größten Sportvermarktungsagenturen der Welt, sich für die Füchse entschieden hat, machte sowohl Steffel als auch Geschäftsführer und Manager Bob Hanning sichtlich stolz. „Es fühlt sich gut an, so zwischen Tiger Woods und Heidi Klum“, sagte Hanning mit Blick auf andere IMG-Kunden und Steffel ergänzte: „Das zeigt, dass der Handball keine Nischensportart mehr ist.“

Die Zusammenarbeit mit Vermarktungsagenturen ist vor allem in populären Sportarten inzwischen üblich. Die Agenturen bezahlen ihren Kunden dabei eine Art Grundgehalt und erhalten im Gegenzug eine Provision auf alle Vermarktungsgewinne. Im Fall der Füchse waren zwar keine konkreten Vertragsdetails zu erfahren, aber IMG-Deutschland-Chef Matthias Pietza verwies auf „marktübliche“ Provisionen und einen jährlich „progressiv steigenden Sockelbetrag“, den man dafür an die Füchse zahle.

Für Präsident Steffel sind mit der Unterschrift nun die Voraussetzungen geschaffen, dass die Füchse „in den nächsten zwei, drei Jahren in die Spitze der Bundesliga vorstoßen“ können: „Das bietet uns eine Riesenperspektive, um an die Etats der Spitzengruppe heranzukommen.“ Um um die Meisterschaft mitspielen zu können, muss das momentane Budget von etwa 3,5 Millionen Euro verdreifacht werden. Dabei soll das IMG-Geld helfen – es werde weitestgehend in die Mannschaft investiert, stellte Steffel fest, vor allem in „prominente Identifikationsfiguren“.

Obwohl IMG extra ein Büro in der Nähe der Füchse-Geschäftsstelle eröffnen wird, wies der Klub eine Unterwanderung durch den Vermarkter strikt von sich. „IMG wird sich ausschließlich um die Vermarktung kümmern“, sagte Steffel, „und selbst da haben wir ein gehöriges Mitspracherecht.“ Der Vertragsabschluss sei eine langfristige strategische Entscheidung: „Wir haben keine Liquiditätsprobleme und sind nicht verschuldet.“ Man erhalte auch keine Vorauszahlung. „Der Vertrag soll eine Absicherung bieten, dass es auch in 10 Jahren noch einen Erstligaklub in Berlin gibt. Und wir machen den Verein damit unabhängiger von einzelnen Personen.“

Angesprochen fühlen durfte sich Bob Hanning. Vermarktung und Sponsorensuche gehörten bislang zu den Kernkompetenzen des rundlichen Managers. Seine Antwort auf die Beschneidung des Tätigkeitsfeldes: „Ich kündige.“ Dann grinste er. „Nein, jetzt habe ich mehr Zeit für die strategische Planung. Und auch für mich. Ich will schließlich mehr Fahrrad fahren und dünn werden.“ Christian Hönicke

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