Handball : Berlin ist wieder die Welt

Nach der erfolgreichen EM mit Österreich will sich Trainer Sigurdsson auf die Füchse konzentrieren.

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Überraschend gut. Sigurdsson wurde mit Österreich bei der EM Neunter. Foto: ReutersX90138

Berlin - Noch haben die Kinder von Dagur Sigurdsson die versprochenen Schuhe nicht erhalten. „Das war doch nur so ein Spruch“, sagt der Füchse-Trainer. Das Geschenkversprechen war seine erste Reaktion auf die Mitteilung des Österreichischen Handballverbandes gewesen, dieser würde die 2000-Euro- Strafe für Sigurdssons Ausraster im EM-Spiel der Gastgeber gegen Kroatien übernehmen. „Ich fand das eine tolle Geste, habe dann eben gesagt, dass ich etwas in die Mannschaftskasse einzahlen würde, und auch das mit den Schuhen“, sagt der Isländer. Die EM liegt knapp zwei Wochen zurück, scheint aber bereits eine Ewigkeit her zu sein. Jene EM, bei der er als Coach des österreichischen Teams nur so mit Lob überschüttet wurde. Bescheiden sagt er: „Wir haben bewiesen, dass wir auch mit den Großen mithalten können, und ich habe als Trainer sehr viel gelernt.“

Am liebsten wäre es den Österreichern, den Weg mit Sigurdsson fortzusetzen. Die Euphorie für Handball im Lande ist plötzlich riesengroß. „Es wird in der kommenden Woche deshalb Gespräche geben“, sagt Sigurdsson. Ein Bekenntnis für den Job bei den Füchsen, der für ihn spannend und herausfordernd sei, folgt diesem offiziellen Satz. Das klingt nicht danach, als hätte er noch lange Lust, sich die Doppelbelastung in Berlin und in Österreich anzutun. „Bis zur WM-Qualifikation im Juni gegen Holland wäre das noch ohne größeren Aufwand möglich“, sagt Sigurdsson. Danach aber käme wieder eine lange Arbeitsphase ohne Pause und er habe seit zwei Jahren keinen Urlaub mehr gemacht. Für Konrad Wilczynski, den Österreicher in Diensten der Füchse, wäre eine Fortführung des Engagements zwar sehr wünschenswert, aber er hätte auch „Verständnis, wenn Dagur sich auf die Füchse konzentrieren würde“.

Diese Aufgabe ist groß, denn die auf Rang neun platzierten Füchse haben das Thema Europacupplatz immer noch im Blick. „Letztlich wissen wir doch noch nicht, welcher Platz dafür ausreicht. Punktemäßig ist für uns alles möglich“, sagt Wilczynski, der dem Team einige Zeit nicht helfen kann. Eine bei der EM zugezogene Handverletzung, die er nicht operieren lassen möchte, zwingt ihn zu einer längeren Pause. „Wenn das nicht klappt und ich letztlich doch unter das Messer muss, ist die Saison für mich beendet“, sagt der Linksaußen. Für ihn wurde der Kroate Ivan Nincevic verpflichtet. Für den Norweger Stian Vatne, der sich ebenfalls bei der EM verletzt hat, ist ein Ersatz nicht notwendig. Er hat sich ein zeitnahes Ziel gestellt: „Ich setze alles daran, zum Flensburg-Spiel am 17. Februar wieder fit zu sein. Im Moment sieht es gut aus.“

Das sind auch die Probleme, die Dagur Sigurdsson „momentan mehr beschäftigen als die Zukunft“. Er denkt darüber nach, wie er mit dem Team am Dienstag beim TBV Lemgo einen guten Neustart in die zweite Saisonhälfte hinbekommt. „Da helfen mir auch die EM-Erfahrungen sehr weiter“, sagt er. „In Spielen gegen die international Besten lernst du enorm viel. Es sind viele Kleinigkeiten, die letztlich helfen, schwierige Situationen zu bewältigen“, sagt der Füchse-Trainer. Wie man es schafft, mit dem Team eines bisher zweitklassigen Handballlandes Favoriten das Fürchten zu lehren, hat er jetzt bewiesen. Die Ausgangsposition ist vergleichbar mit der Situation der Füchse in der Bundesliga. „Das Team ist super drauf, ich bin sehr zuversichtlich“, sagt Sigurdsson.

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