Handball : Beweise gegen Kiel fehlen – Fragen bleiben

Gab es eine Schiedsrichterbestechung beim Champions-League-Finale? Eine Krisensitzung brachte keine Aufklärung. Die Rolle von Ex-Coach Serdarusic ist ungeklärt.

Erik Eggers[Hamburg]
261544_0_f552f033.jpg
Serdarusic

Der Weg in das Hotel in Hamburg-Bahrenfeld war Uwe Schwenker bekannt. Der Geschäftsführer des THW Kiel nächtigt dort immer während des Pokal-Final-Four. Für gewöhnlich wird er aber nicht, wie am Montagabend, von acht TV-Teams und vielen weiteren Medienvertretern empfangen. Kein Wunder, dass der 49-Jährige kurz die Stirn runzelte, als er das Aufgebot erblickte. Dann schritt er zur kurzfristig anberaumten Krisensitzung der Handball-Bundesliga (HBL). Knapp zwei Stunden später stand Schwenker inmitten des Pulks und verkündete: „Der THW Kiel hat nie Spiele manipuliert.“ Zunächst wolle er keine rechtlichen Schritte einleiten oder Anzeige gegen Unbekannt erstatten. Er sprach aber von einem „Imageschaden für viele Beteiligte“ und kritisierte das Vorgehen von Aufsichtsratsmitglied Dieter Matheis, der zugleich Beiratsvorsitzender bei den Rhein-Neckar Löwen ist.

Es ging darum, die Gerüchte aufzuklären, wonach der THW das Champions-League-Finalrückspiel am 29. April 2007 gegen die SG Flensburg-Handewitt mittels Schiedsrichterbestechung manipuliert haben soll. Matheis war mit dem Ergebnis der Sitzung zufrieden. „Das war eine Sache unter Ehrenmännern, die nun geklärt ist“, sagte der Mann, der den Vorgang erst mit seinem Brief an Schwenker ins Rollen gebracht hatte. Matheis war es auch, der den HBL-Aufsichtsratsvorsitzenden Manfred Werner über diesen Brief informiert hatte, und dieser erzählte davon den anderen Aufsichtsratsmitgliedern. Aus diesem Kreis heraus sind die Fakten öffentlich geworden.

„Die Fragen, die gestellt wurden, sind zunächst einmal beantwortet worden. Belastbare Tatsachen liegen nicht vor“, erklärte HBL-Präsident Reiner Witte, und dass er nicht davon ausgehe, dass „noch weitere Erkenntnisse in dieser Richtung“ präsentiert würden. „Der Aufsichtsrat sieht aber weiteren Informationsbedarf“, sagte Manfred Werner gestern nach einer weiteren Sitzung in Hamburg. Am heutigen Mittwoch will sich das HBL-Präsidium in Dortmund mit dem Thema beschäftigen. Unterdessen behauptet der dänische Sponsor der Rhein-Neckar Löwen, Jesper Nielsen: „Wir wissen, dass es rund um die Champions-League-Spiele des THW Kiel Unregelmäßigkeiten gegeben hat.“ Dieses Wissen basiere auf Aussagen von „Schlüsselpersonen innerhalb des THW Kiel und aus dessen Umfeld“.

Mittlerweile sickerte durch, wer Matheis informiert haben könnte. Schon bei den Vertragsverhandlungen mit dem ehemaligen THW-Coach Zvonimir Serdarusic seien diese Informationen diskutiert worden. Damals hätten Löwen-Manager Thorsten Storm, Serdarusic, er und zwei Löwen-Gesellschafter am Tisch gesessen, so Matheis. Damit liegt die Vermutung nahe, dass Serdarusic der Stichwortgeber war. Offenbar wollte er sich bei Schwenker rächen, dass er im Juni 2008 nach privaten Differenzen mit dem Manager beurlaubt worden war. Vor diesem Hintergrund erscheint der damals anstehende Transfer von Nikola Karabatic in besonderem Licht: Wurde der Franzose, der einen Vertrag bis 2012 in Kiel hat, als Druckmittel eingesetzt? Wenn Matheis schon im Dezember von den Anschuldigungen wusste, warum hat er den Brief an Schwenker erst am vergangenen Donnerstag abgeschickt? (mit dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben