Handball : Blick nach vorn mit blauem Auge

Die Berliner Füchse planen schon die zweite Bundesligasaison. Der Kampf um den Fastnichtabstieg hat allerdings tiefe Wunden hinterlassen.

Christian Hönicke
Lommel
Jörn-Uwe Lommel -Foto: AFP

BerlinBob Hanning beschränkte sich auf zwei Kurzsätze. „Das reicht“, stieß der Manager der Füchse Berlin in feinstem münteferingschen Stakkato hervor. „Das Thema ist durch.“ Sollte heißen: Mit dem 32:30 (16:15)-Sieg gegen die HBW Balingen-Weilstetten ist der Verbleib des Aufsteigers in der Handball-Bundesliga wenn auch noch nicht rechnerisch, so doch praktisch gesichert.

Dass der sonst so redselige Wortführer der Füchse ausgerechnet im Moment des größten Triumphes während seiner Tätigkeit in Berlin verstummte, statt Feierlaune zu verbreiten, hatte damit zu tun, wie dieser Moment zustande gekommen war. Der Kampf um den Fastnichtabstieg zwischen den beiden Tabellennachbarn hatte tiefe Wunden hinterlassen. „Gehen Sie mal in die Kabine, und schauen Sie sich unsere Spieler an“, echauffierte sich Jörn-Uwe Lommel. Der Berliner Coach wollte im Gegensatz zu Hanning ganz und gar nicht stumm bleiben und berichtete ausgiebigst von blauen Flecken und Pferdeküssen: „Ich bin jetzt seit 27 Jahren im Geschäft und ich habe noch nie eine Mannschaft gesehen, die so schmutzig Abwehr spielt wie Balingen. Das war ein Nervenkrieg, und ich bin froh, dass wir die Schlacht gewonnen haben.“

In seiner Tirade ließ sich Lommel auch nicht vom Einwurf des gegnerischen Trainers Rolf Brack aus dem Konzept bringen, der ihm vorwarf, er wolle nur von „eigenen taktischen Defiziten“ ablenken. „Taktische Defizite?“, bellte Lommel zurück. „Seine Spieler Ettwein und Sauer gehören in den Boxring und nicht aufs Handballfeld!“ Das sei „eine Art von Handball, die ich nicht sehen möchte“. Ein wohl vergeblicher Wunsch, denn die Wege beider Klubs werden sich voraussichtlich bald wieder kreuzen. Sechs Spieltage vor dem Ende dieser Saison sind auch die Schwaben trotz der Niederlage aufgrund der schwächelnden Konkurrenz dem Abstieg so gut wie sicher entronnen.

Immerhin kann sich Manager Hanning nun auf die Planung des zweiten Bundesligajahrs der Füchse konzentrieren. Mit „organischem Wachstum“ und aufgestocktem Etat will er das Team im Mittelfeld der Liga etablieren. Platz acht bis zwölf ist als Ziel ausgegeben – um es zu erreichen, sollen neben dem bereits verpflichteten Stralsunder Rico Göde noch ein bis zwei Spieler kommen. Bedarf herrscht im rechten Rückraum und in der Abwehr; auf der Liste steht unter anderem der Brasilianer Rui aus Wilhelmshaven. Um eine andere Facette braucht sich Hanning dagegen nicht zu kümmern: Die erste Klubrivalität hat sich ganz von selbst entwickelt.

Nach der Schlacht gegen Balingen kam später am Abend zumindest bei Jörn- Uwe Lommel doch noch ein wenig Nichtabstiegspartystimmung auf. „Ich gehe jetzt mit der Mannschaft ein Bier trinken“, sagte der Trainer mit funkelnden Augen. „Wir müssen das ja irgendwie feiern.“

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