Handball-Bundesliga : Die Füchse unterliegen 33:40 beim THW Kiel

Wieder nichts. Die Füchse verlieren auch diesmal ihr Auswärtsspiel in der Bundesliga beim Serienmeister THW Kiel deutlich. So richtig enttäuscht waren die Berliner deswegen am Ende aber nicht.

Erik Eggers
Mal wieder schneller. Der Kieler Filip Jicha (l.) wirft auf das Tor, Torsten Laen kann den Abschluss nicht mehr verhindern.
Mal wieder schneller. Der Kieler Filip Jicha (l.) wirft auf das Tor, Torsten Laen kann den Abschluss nicht mehr verhindern.Foto: dpa

Zehn Minuten vor der Schlusssirene schwappte die Welle durch die Arena. Da war bereits klar, dass die Füchse Berlin es wieder nicht schaffen würden in Kiel. Die Berliner lagen mit acht Toren zurück, waren teilweise überfordert mit dem Kieler Hochgeschwindigkeitshandball. Am Ende verloren die Füchse auswärts klar 33:40 (18:22) gegen den Rekordmeister, gegen den aber an diesem Tag wohl auch keine Mannschaft der Welt bestanden hätte.

Während der THW Kiel zumindest für einen Tag die Tabellenführung in der Bundesliga übernahm und seinem 18. Meistertitel entgegenstrebt, verschlechterte sich die Ausgangslage für die Füchse im Kampf um die Champions-League-Plätze. Bester Werfer der Gäste war Johannes Sellin mit sieben Treffern. Ein Füchse-Sieg in Kiel wäre eine Sensation gewesen. Als die Füchse den einzigen Punkt in Kiel holten, beim 16:16 am 19. Dezember 1981, waren die meisten der heutigen Profis noch nicht geboren.

Auch sonst geschahen in dieser Saison 1981/82 viele Dinge, die heute seltsam anmuten: Der THW Kiel, damals schon der Klub mit den meisten Fans, beendete die Spielzeit mit 26:26-Punkten als Achter, während die Füchse, gesponsert vom Mäzen Willi Bendzko, als Aufsteiger einen spektakulären dritten Platz belegten. Seither entwickelte sich der THW zur weltweit renommiertesten Adresse des Handballs, eine Blaupause des Erfolgs auch für die Füchse, die seit ihrem Wiederaufstieg 2007 die Bundesliga aufmischen. Dass die Gäste gestern keine Handballgeschichte schrieben, lag auch an den Handicaps.

Trainer Dagur Sigurdsson hatte es tatsächlich, wie befürchtet, nicht mehr nach Kiel geschafft, er lag mit einem Infekt im Bett. Ihn ersetzten Manager Bob Hanning und Co-Trainer Alexander Haase. Und mit Sven-Sören Christophersen fiel, wie schon am Sonntag gegen Pick Szeged, zudem einer der wichtigsten Rückraumspieler aus, er hat Probleme am linken Knie. Doch die Füchse spielten am Dienstagabend zunächst ausgezeichnet. Sie fanden immer wieder Lösungen gegen die Kieler Deckung und führten schnell mit 4:2-Toren. THW-Torwart Thierry Omeyer, einer der besten Keeper der Welt, fand in dieser Phase kein Mittel gegen die starken Flügelspieler der Füchse, Ivan Nincevic und Johannes Sellin. „Die ersten 25 Minuten haben wir gut mitgespielt“, sagte Sellin nach der Partie. „Wir haben uns angestrengt, aber es hat einfach nicht geklappt.“

Nincevic hatte damit etwas zu tun. Er beeinflusste die Partie, als er nach einem Wurf liegen blieb und Kiels Trainer Alfred Gislason sich enorm über die Spielunterbrechung durch die Referees aufregte. Durch diese Szene rückten die Schiedsrichter in den Fokus – jeder Pfiff gegen den THW provozierte wütende Reaktionen der Kieler Fans. Die Berliner aber ließen sich dadurch wenig irritieren und leisteten cool Widerstand. Bis zum 15:15 schien so eine Sensation denkbar.

Aber als die Kieler ständig ihre Abwehrformation veränderten, mal mit einer 3:2:1-Formation verteidigten, dann mit einer defensiveren 6:0, verlor der Außenseiter in diesem intensiven Match etwas die Übersicht. „Am Ende fehlte ein bisschen die Kraft und die Konzentration“, sagte Sellin. Als Christian Zeitz mit einem Heber einen Lauf zum 22:17 abschloss, kam die Halbzeitpause den Füchsen sehr gelegen. Nach dem Wechsel vereitelte Füchse-Torwart Silvio Heinevetter reihenweise Großchancen.

Doch die Füchse nutzten dies nicht, da sie ihrerseits nun an den Reflexen Omeyers verzweifelten. So zog der THW kontinuierlich davon. Als die Füchse einen Doppelschlag durch Gudjon Valur Sigurdsson kassierten, war beim Stand von 21:27 schon fast alles verloren. Die Füchse versuchten es nun mit Petr Stochl im Tor, der zwar stark hielt, aber die Dominanz des Kieler Spieles auch nicht stoppen konnte. Erik Eggers

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