Handball-Bundesliga : Die reizvolle Einsamkeit des THW Kiel

Eine perfekte Saison für den Meister THW Kiel, Absteiger, die früh feststanden: Vermeintlich war diese Handball-Saison die langweiligste seit Ewigkeiten. In Wahrheit faszinierte die beste Vereinsmannschaft aller Zeiten. Ein Kommentar.

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Unbesiegbar. Die Gegner der Handballer des THW Kiel, hier Dominik Klein im letzten Saisonspiel gegen den VFL Gummersbach, waren in diesem Jahr nur eine Randnotiz
Unbesiegbar. Die Gegner der Handballer des THW Kiel, hier Dominik Klein im letzten Saisonspiel gegen den VFL Gummersbach, waren in...Foto: dpa

Ein Blick auf die Abschlusstabelle der Bundesliga genügt – und der Eindruck liegt nahe, dass diese Handball-Saison die langweiligste seit Ewigkeiten war, wenn nicht die langweiligste überhaupt. Absteiger und Europapokalteilnehmer standen zum großen Teil lange vor dem letzten Spiel fest, von der Tabellenspitze einmal ganz zu schweigen. Da zog der THW Kiel einsam seine Kreise. Bereits Anfang Mai machte der Rekordmeister den 17. nationalen Titel perfekt. Am Ende ist es dann noch eine Saison für die Geschichtsbücher geworden für diese grandiose Kieler Mannschaft: 68:0 (!) Punkte, dazu Siege in DHB-Pokal und Champions League.

Wer kann dieser Dominanz etwas abgewinnen, wenn er kein THW-Anhänger ist? Für gewöhnlich zeichnen sich die großen Sportligen, und dazu zählt die Handball-Bundesliga, in erster Linie durch Spannung und Fernduelle aus. Was wäre die Primera Division ohne den FC Barcelona und Real Madrid? Oder die Fußball-Bundesliga ohne den FC Bayern und Borussia Dortmund? Langweilig, eben.

Der THW Kiel spielte in dieser Saison nicht nur national, sondern international in einer ganz eigenen Liga. Langweilig war es aber schon deshalb nicht, weil die Mannschaft von Alfred Gislason zumindest gelegentlich am Rande einer Niederlage stand, unter anderem gegen die Füchse Berlin oder den HSV Hamburg, aber auch im Europapokal. Wer die historische Bilanz der Kieler nun also mit der vermeintlichen Schwäche der Konkurrenz erklären will, der tut dem THW Unrecht, gewaltig sogar. So werden sich Handball-Fans in der Retrospektive auf 2011/12 nicht an eine Saison mit dem Spannungsfaktor von trocknender Farbe erinnern, sondern an die vielleicht beste Vereinsmannschaft, die es jemals gegeben hat. Ist das nicht auch spannend?

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