Handball-Bundesliga : Füchse Berlin holen drei neue Spieler

Nach den schwachen Leistungen in der aktuellen Saison reagieren die Füchse Berlin und stellen drei Neuzugänge für die kommende Spielzeit in der Handball-Bundesliga vor.

von
Kent Robin Tönnesen kommt aus Wetzlar und soll perspektivisch gemeinsam mit Fabian Wiede das Gespann im rechten Rückraum bei den Füchsen bilden
Kent Robin Tönnesen kommt aus Wetzlar und soll perspektivisch gemeinsam mit Fabian Wiede das Gespann im rechten Rückraum bei den...Foto: Imago

Die Beleuchtung für die Trainingshalle blieb am Montagvormittag ausgeschaltet in der Fritz-Lesch-Straße. Für wen hätte Volker Zerbe sie auch anschalten sollen? Sind ja alle schon weg, zur Weltmeisterschaft nach Katar. Oder zumindest in der unmittelbaren Vorbereitung auf das am Donnerstag beginnende Turnier. Abgesehen von den Verletzten und Rekonvaleszenten werden lediglich vier Spieler aus dem Kader der Füchse Berlin nicht die Reise nach Doha antreten: Iker Romero, Petar Nenadic, Fabian Wiede und Willy Weihrauch. Und weil der Handball-Bundesligist in Dagur Sigurdsson neuerdings auch noch den Bundestrainer stellt, besteht Zerbes Aufgabe in den nächsten Wochen primär darin, den nominellen Mangel möglichst störungsfrei verwalten. „Wie man sich denken kann, ist es nicht ganz einfach, bei einem Stamm von vier, fünf Leuten ein vernünftiges Training anzubieten“, sagte der Co-Trainer.

Andererseits passte die gegenwärtige Situation zu jenem Termin, zu dem der Verein am Montag eingeladen hatte – in erster Linie ging es da nämlich um die Spieler, die nicht da sind. Beziehungsweise: noch nicht. Nachdem die Füchse in der vergangenen Woche die Trennung von Kapitän Iker Romero, Ersatz-Spielmacher Petar Nenadic und Rückraumspieler Konstantin Igropulo zum Saisonende bekannt gegeben hatten, präsentierten sie am Montag die Zugänge für die kommende Spielzeit. „Wir hatten den Eindruck, dass sich unsere aktuelle Mannschaft in der Hinrunde ein Stück weit zurückgelehnt hat“, sagte Manager Bob Hanning, „deshalb haben wir uns die Frage gestellt, wie wir dem entgegensteuern können.“ Die Antwort lautet: mit drei neuen und auffällig jungen Spielern.

In Absprache mit dem künftigen Trainer Erlingur Richardsson haben sich die Berliner auf der Linksaußen-Position ebenfalls für einen Isländer entschieden: Bjarki Elisson war Richardssons Wunschspieler. Der 24-Jährige wechselt von Bundesliga-Absteiger ThSV Eisenach nach Berlin und erhält bei den Füchsen einen Zwei-Jahres-Vertrag. „Normalerweise bin ich kein Freund davon, dem Trainer alle Wünsche zu erfüllen“, sagte Hanning, „in diesem Fall haben wir allerdings eine Ausnahme gemacht.“ Elisson ist mit einem Schnitt von 6,6 Treffern pro Spiel aktuell zweitbester Torjäger in der zweiten Liga und gilt als exzellenter Siebenmeterschütze. Zudem erhoffen sich die Füchse von seiner Verpflichtung mehr Flexibilität in den Defensivsystemen.

Bjarki Elisson, Kent Robin Tönnesen und Ignacio Plaza Jimenez kommen im Sommer

Der zweite neue Mann heißt Kent Robin Tönnesen, 23, und soll perspektivisch gemeinsam mit Fabian Wiede, 20, das Gespann im rechten Rückraum bilden. Der Linkshänder aus Norwegen bringt ebenfalls Bundesliga-Erfahrung mit: Bei seinem bisherigen Arbeitgeber HSG Wetzlar zählt Tönnesen mit einem Schnitt von sieben Treffern pro Partie zu den erfolgreichsten Werfern. Der 1,94 Meter große und 104 Kilogramm schwere Rückraumspieler soll Konstantin Igropulo ersetzen: Der Russe hatte im Verlauf der Hinrunde mit seiner Form zu kämpfen, in Folge dessen wurde sein im Sommer auslaufender Vertrag nicht verlängert.

Abschließend haben sich die Füchse auch noch der letzten Großbaustelle im Kader entledigt und einen neuen Kreisläufer verpflichtet. Nach dem kurzfristigen Wechsel von Jonas Thümmler zum HC Erlangen bekleidet Jesper Nielsen diese Position im Moment allein, und wer die physischen Anforderungen am Kreis halbwegs kennt, der weiß, dass das langfristig nicht ohne Verletzungen geht. Der Spanier Ignacio Plaza Jimenez, 21, soll die entstandene Lücke schließen und Nielsen einerseits entlasten sowie andererseits den internen Konkurrenzkampf forcieren. Der Spanier, Spitzname Nacho, ist Hanning bei der letzten Europameisterschaft der Altersklasse U21 aufgefallen. „Was Paul Drux im linken Rückraum ist, ist Nacho auf der Position am Kreis: eines der größten Talente, die es im Moment im Welthandball gibt“, sagte Hanning, „deshalb habe ich den Transfer auch in Eigenregie getätigt und ihm bei der U21-WM direkt einen unterschriftsreifen Vertrag vor die Nase gelegt.“ Jimenez gehörte bei besagtem Nachwuchs-Turnier ebenso wie Paul zum All-Star-Team.

Abgeschlossen wird die Personalplanung der Berliner mit einem vierten Spieler, der nach der Saison aus dem vereinseigenen Nachwuchs zu den Profis aufsteigen soll – so haben es die Füchse in den letzten Jahren immer mit der Quote gehalten. „Es gibt im Moment ein paar Kandidaten, aber noch keine Entscheidung“, sagte Hanning. Das letzte Wort in diesem Fall wird der neue Trainer Erlingur Richardsson sprechen – die erste große Entscheidung für ihn in Berlin.

» Mehr lesen? Jetzt gratis Tagesspiegel testen!

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben