Handball-Bundesliga : Füchse-Niederlage mit Ansagen

Wie im Vorjahr sind die Füchse Berlin gegen die Rhein-Neckar Löwen chancenlos. Löwen-Trainer Juri Schewzow war „mit großem Respekt angereist“, aber den mussten seine Spieler nicht haben.

Hartmut Moheit

Berlin - Etwas verloren kam sich Konrad Wilczynski vor. Mit weißem Verband um den Kopf, der die verletzte und erneut genähte Stirn verdeckte, und einem gleichermaßen umwickelten Ellenbogen blieb ihm diesmal nur die Rolle des Zuschauers. Dabei hätte der Torschützenkönig der Handball-Bundesliga in der vergangenen Saison, der sich am vergangenen Samstag bei einem Zusammenprall in Wetzlar so arg verletzt hatte, seinen Füchsen Berlin im dritten Saisonspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen so gern geholfen. Und wie diese vor 4571 Zuschauern in der Max-Schmeling-Halle den Österreicher gebraucht hätten. Letztlich sprach das 24:32 (8:14) Bände. Für Füchse-Trainer Jörn-Uwe Lommel war das enttäuschend. „Ich hatte das Team mit mehr Power erwartet. Der Gegner war uns individuell klar überlegen.“

Besonders deutlich wurde das Fehlen des besten Werfers bereits in der ersten Halbzeit. Vielleicht wäre sie nicht derart blamabel für die Füchse verlaufen, wenn wenigstens die Siebenmeter verwandelt worden wären. Bis zum 5:10 (17. Minute) hatte Michael Kubisztal bereits einen davon verworfen, aber was dann kam, übertraf alles bisher bei den Füchsen Erlebte: Zweimal Kjetil Strand, erneut Kubisztal und auch der junge Martin Murawski scheiterten an Slawomir Szmal. Die Folge waren zehn Minuten ohne einen Füchse-Treffer, die Rhein-Neckar Löwen zogen locker davon. Wilczynski, den Siebenmeter-Spezialisten, konnte niemand bei den Berlinern ersetzen, aber auch nicht den Linksaußen. Zunächst hatte es Lommel mit Bartlomiej Jaszka auf dieser Position versucht, später mit Murawski – der Druck und die Torgefahr blieb aus.

Und plötzlich waren wieder die längst verdrängten Erinnerungen an das Vorjahr da, als gegen denselben Gast in der ersten Halbzeit mit 4:17 der Minusrekord erreicht wurde. Zwar waren die Füchse diesmal etwas besser, aber gegen die hart zugreifene Deckung fehlte es ihnen erneut an Durchsetzungsvermögen. Drei Torschützen, das war gegen den Champions-League-Teilnehmer aus Baden viel zu wenig. Zweimal zwei Strafminuten gegen Nationalspieler und Deckungschef Oliver Roggisch, ja selbst eine Rote Karte gegen Siarhei Harbok nach einem rüden Foul, all das half nicht. Später bekam auch noch Grzegorz Tkaczyk die rote Farbe gezeigt. Aber so hart war das Spiel dennoch nicht. Löwen-Trainer Juri Schewzow war „mit großem Respekt angereist“, aber den mussten seine Spieler nicht haben.

Dass Rico Göde, der nach seinem Handbruch erstmals für die Füchse spielen konnte, kaum Akzente setzen würde, war zu erwarten gewesen. Aber ein wenig hatte Coach Lommel darauf spekuliert, dass die Rhein-Neckar Löwen, von denen neun Spieler bei Olympia waren, noch nicht eingespielt sein würden. Aber das war ein Trugschluss. Seine Spieler kämpften zwar, aber die Unzulänglichkeiten blieben. Am Ende ließen die Füchse neun Siebenmeter, aber auch 16 freie Würfe ungenutzt. Der Favorit brauchte deshalb seinen Vorsprung nur noch verwalten, war erneut mindestens eine Nummer zu groß. Für Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning endete damit der Tag so ärgerlich, wie er begonnen hatte. Eine Boulevard-Zeitung hatte da groß vermeldet, dass der in Kiel entlassene Trainer Svonimir Serdarusic als neuer Sportdirektor nach Berlin kommen würde. „Daran ist nichts wahr“, sagte Hanning außer sich – wie man ihn lange nicht mehr erlebt hatte. „Ich habe nie mit ihm gesprochen, ich bleibe der Füchse-Sportdirektor.“

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