Handball : Den großen Wurf verpasst

Deutschlands Handballerinnen verlieren bei der EM gegen Russland und landen am Ende auf Platz vier.

Skopje ­ Zurück in der Weltspitze, aber erneut den großen Wurf verpasst. Vier Monate nach dem Debakel bei den Olympischen Spielen haben sich die deutschen Handballerinnenmit Platz vier bei der Europameisterschaft in Mazedonien für den elften Platz in Peking rehabilitiert, müssen jedoch weiter auf die erste EM-Medaille seit 1994 warten. Damals gewannen sie die Silbermedaille. Am Sonntag verlor die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) im Spiel um Platz drei gegen Weltmeister Russland mit 21:24 (11:17) und musste wie vor zwei Jahren mit dem Platz neben dem Treppchen vorlieb nehmen. Vor rund 1500 Zuschauern war Stefanie Melbeck (6 Tore) in ihrem 200. Länderspiel beste deutsche Werferin. Im Endspiel (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe) standen Olympiasieger und Titelverteidiger Norwegen und Spanien.

Am Vortag hatte der in den Gruppenspielen unbesiegte WM-Dritte Deutschland durch ein 29:32 gegen Favoritenschreck Spanien zum dritten Mal in Serie nach der EM 2006 und der WM 2007 das Halbfinale verloren. „Es gibt keinen Halbfinal-Fluch“, sagte Bundestrainer Armin Emrich dennoch. Sein Team verpasste die direkte Qualifikationen für die WM 2009 in China und die EM 2010 in Dänemark und Norwegen. In der WM-Ausscheidung spielt Deutschland nun im Juni gegen Serbien.

„Diese EM war eine Megasteigerung im Vergleich zu Olympia. Wir gehören aktuell zu den besten Vier in Europa und damit zur Weltelite“, sagte Kapitänin Grit Jurack, die wegen eines gebrochenen Fingers gegen Russland an allen Ecken und Enden fehlte. Ohne sie hielt sich die deutsche Mannschaft bis zum 8:9 (15.) gut gegen den Weltmeister, gegen den das DHB-Team in der Hauptrunde mit 27:22 gewonnen hatte. Dann aber gelang zehn Minuten lang kein Tor und die deutsche Mannschaft geriet mit 8:17 (25.) ins Hintertreffen. Danach nutzte auch das Herankämpfen auf 16:21 (46.) nichts mehr, auch weil zu viele klare Chancen inklusive dreier Siebenmeter vergeben wurden.

Jurack, die vor dem Schlusstag die EM-Torschützenliste anführte, hatte sich gegen Spanien den kleinen Finger der rechten Hand gebrochen, war bereits am Sonntagmorgen abgereist und soll an diesem Montag operiert werden. In dem Ausfall der Rekordtorschützin, die im Halbfinale ihren 1500. Länderspiel-Treffer erzielt hatte, gipfelte das deutsche Verletzungspech im Verlauf der EM. Die ehemalige Welthandballerin Nadine Krause (Schädelprellung), Stefanie Melbeck (Nasenbeinbruch), Anne Müller (Bänderabriss im Finger) und Clara Woltering (Rückenprobleme) mussten zeitweilig ersetzt werden. „Es ist jammerschade. Wir haben ein tolles Turnier gespielt, aber das Sahnehäubchen fehlt jetzt“, bedauerte Emrich ebenso wie DHB- Präsident Ulrich Strombach. „Unsere Mannschaft hat ein starkes Turnier gespielt, wenn sie auch das I-Tüpfelchen mit dem Erreichen des Finales verpasst hat“, sagte der Jurist. Kritik aus der Bundesliga wies Strombach zurück: „Wir haben unser Ziel, das Halbfinale, erreicht. Und wenn jetzt einige einen Umbruch fordern, sehe ich das anders.“ Jurack sei mit 31 Jahren die älteste Spielerin, „aber sie steht über allem. Der Trainer, der auf sie verzichtet, muss dumm sein“. Und Jurack will der Auswahl auch treu bleiben. „So lange mir das Spaß macht, spiele ich gern für Deutschland“, beteuerte sie und fügte an: „Wenn die Mannschaft im Wesentlichen zusammenbleibt und wir weiter kontinuierlich arbeiten können, werden wir weiter Erfolg haben und auch den nächsten Schritt schaffen.“ dpa

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