Handball : Der Satire Nachspiel

Auf Druck des IOC lässt der Welthandballverband verschobene Qualifikationsturniere für Olympia wiederholen. Handball-Präsident Moustafa ist wohl selbst in den Skandal verwickelt.

Erik Eggers
Handball
Kampf mit allen Mitteln -Foto: AFP

Hamburg„Wie bitte? Wirklich?“, fragt Kyung-Shin Yoon. Ungläubig vernimmt der südkoreanische Weltklassehandballer am späten Montagabend die Entscheidung, auf die er seit Tagen gewartet hat. Aber es ist offiziell: „Das IHF-Council hat in Paris entschieden, dass die beiden Qualifikationsturniere in Asien für die Olympischen Spiele 2008 in Peking neu gespielt werden“, meldete die Internationale Handball-Föderation (IHF) auf ihrer Internetseite. Die beiden Nationalmannschaften Südkoreas, die vor rund drei Monaten durch offenkundige Korruption und Schiedsrichtermanipulationen um ihr Olympiaticket gebracht wurden, erhalten eine neue Chance. „Das wäre ein Traum, am Ende meiner langen Karriere in Peking aufzulaufen“, sagt Yoon, der 34 Jahre alte Bundesligaprofi des HSV Hamburg. Bis Donnerstagabend will die IHF bekannt geben, unter welchen Bedingungen die Turniere wiederholt werden. Nach einer Vorgabe des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), das den Welthandballverband zu einer Stellungnahme aufgefordert und ihm sogar mit der Streichung des Sports aus dem olympischen Programm gedroht hatte, müssen sie bis Ende Januar 2008 ausgespielt werden.

Beim Männerturnier Anfang September war im japanischen Toyota eine Handballsatire aufgeführt worden. Dort hatten, wie berichtet, zwei mysteriöse jordanische Schiedsrichter, die anstelle der ursprünglich von der IHF angesetzten deutschen Schiedsrichter Lemme und Ullrich pfiffen, den kuwaitischen Handballern mit einem abenteuerlichen Auftritt das Olympiaticket für Peking zugeschanzt. Das belegt nun auch ein IHF-internes Gutachten, das dieser Zeitung vorliegt. Danach ist Kuwait in 38 strittigen Szenen 38 Mal bevorteilt worden. Die Pfiffe der Schiedsrichter seien „exzessiv und einseitig“ gewesen, erklärten die Gutachter, die eine „ernsthafte Beschädigung der Reputation der IHF“ feststellen. Auch das Frauenturnier Ende August im kasachischen Almaty, wo sich das zweitklassige Team Kasachstans zum Erstaunen der Fachwelt vor der Weltklassemannschaft Südkoreas platziert hatte, war laut Augenzeugen manipuliert worden. Zudem waren südkoreanischen Delegationsmitgliedern Kameras weggenommen worden, mit denen sie die Spiele dokumentieren wollten.

Auf einer Pressekonferenz in Paris räumte IHF-Präsident Hassan Moustafa am Sonntag erstmals in aller Öffentlichkeit ein, dass zumindest Südkoreas Frauen seit Jahren regelmäßig klar benachteiligt worden sind. „Wir hatten schon oft Probleme mit diesen Turnieren“, sagte der Ägypter am Rande der Frauen-WM, wollte sich aber herausreden: „Die Qualifikationsturniere für die Weltmeisterschaften und für die Olympischen Spiele unterstehen nicht der IHF, sondern den Kontinentalverbänden.“ Der IHF und auch ihm seien daher die Hände gebunden. Eine Schutzbehauptung, wie nicht nur der ehemalige IHF-Geschäftsführer Frank Birkefeld entlarvte, der die Ausführungen Moustafas vehement bestritt. Das IOC habe die IHF vielmehr konkret dazu aufgefordert, die olympischen Qualifikationsturniere im Auftrage des IOC zu kontrollieren, erklärte Birkefeld.

Nun zeichnet sich immer mehr ab, dass Moustafa selbst tief in nebulöse Machenschaften verstrickt ist – vor allem in die des Asiatischen Handballverbandes (AHF). Der „Spiegel“ zitierte aus einem Fax, in dem der AHF-Präsident Ahmed Al-Fahd-al-Sabbah sich im Juli bei Moustafa darüber beschwert, dass sich die IHF in die Belange Asiens einmische, indem es einen Supervisor und Schiedsrichter zum Olympiaqualifikationsturnier der Männer schicke. Der Scheich aus Kuwait, der als Drahtzieher der Manipulationen unter anderem zum Vorteil seines eigenen Nationalteams gilt, soll Moustafa an eine geheime Abrede erinnert haben: „Du hast mir persönlich versprochen, dass die kontinentalen Qualifikationsturniere unter dem Schirm der Kontinentalverbände bleiben sollen.“ Hintergrund dieser Absprache könnte sein, dass Al-Fahd-al-Sabbah Moustafa entscheidend auf seinem Weg an die Spitze des Welthandballs unterstützt hat. Nun könnte die Allianz der beiden Handballfürsten zerbrechen. Aus dem Umfeld des kuwaitischen Scheichs war bereits zu vernehmen, dass Moustafas Verbandskarriere im Falle einer Wiederholung der Turniere beendet sei.

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