HANDBALL : Die Abwehr macht Ärger

Nach der überraschenden Niederlage gegen Wetzlar kritisiert Füchse-Manager Bob Hanning die Verteidigungsarbeit und damit Trainer Jörn-Uwe Lommel. Doch bei den Dissonanzen geht es um mehr als Tacklings.

Christian Hönicke
Füchse-Trainer Jörn Uwe Lommel
Füchse-Trainer Jörn Uwe Lommel. - Foto: Kai-Uwe Heinrich

Berlin - Bob Hanning wankte langsam die Stufen in der Schmeling-Halle hoch und schlug die Hände überm Kopf zusammen. Kurz bevor er durch die Stahltür verschwand, stieß er noch ein deutlich vernehmbares „Mann, Mann, Mann!“ aus. Kein Zweifel, der Manager des Handball- Bundesligisten Füchse Berlin hatte schon Sonntage mit besserer Laune erlebt.

Hanning kritisiert die Torhüterwechsel

Kurz vor seinem Abgang hatte Hanning seinem Unmut sogar noch etwas detaillierter Luft gemacht. Im Mittelpunkt seiner emotionsgeladenen Fehleranalyse der überraschenden 31:32-Heimniederlage gegen die HSG Wetzlar stand der Trainer. Nachdem Hanning standardmäßig das Fehlen eines international renommierten Kreisläufers und eines zweiten Torhüters auf hohem Niveau beklagt hatte, widmete er sich nur wenig verklausuliert der Arbeit Jörn-Uwe Lommels. „In der Abwehr muss sich was tun“, zürnte Hanning nach dem Rückschlag im Kampf um einen Europacup-Platz und sprach unter anderem die seiner Meinung nach unnötigen Torhüterwechsel zwischen Petr Stochl und Jens Vortmann und die ständig veränderten Abwehrsysteme an: „Mal spielen wir 5:1, dann wieder Schiebedeckung.“ Außerdem „müssen wir langsam mal ein bisschen aggressiver decken. Ich sage das seit anderthalb Jahren, aber langsam geht mir das auf den Sack. Ich werde ihn mal drauf ansprechen.“

"Zu viele Spieler meiden Körperkontakt"

Der Angesprochene reagierte zurückhaltend auf die öffentliche Schelte seines Vorgesetzten. „Was in der Zeitung steht, interessiert mich nicht“, entgegnete Lommel nüchtern. Ganz auf sich sitzen lassen wollte er es aber doch nicht. „Kritik ist nicht angebracht. In unserem individuellen Abwehrverhalten und der Kooperation mit den Torhütern haben wir in der ganzen Saison schon Probleme, aber das ist ja nichts Neues.“ Lommels Erklärung für die schwachen Abwehrleistungen ist, „dass wir zu viele Spieler haben, die den Körperkontakt meiden. Das kann man nicht trainieren, das ist eine Typfrage. Um genau das zu ändern, haben wir ja Michal Bruna geholt.“ Der Neuzugang aus Stralsund brauche aber noch Zeit.

Den von Hanning kritisierten Systemwechsel in der Abwehr „haben wir genau zehn Minuten lang in Überzahl gehabt“, sagte Lommel. „Das haben wir vorher geübt und dadurch auch Bälle gewonnen.“ Dass die Füchse das zerfahrene Spiel gegen die aufopferungsvoll kämpfenden Wetzlarer nach mehrmaliger Vier-Tore- Führung doch noch aus der Hand gaben, schrieb Lommel vor allem dem Angriff zu. Die eigene Wurfschwäche in der zweiten Hälfte und der überragende Vladan Krasavac im Tor der Gäste hätten den Füchsen im Weg gestanden: „Wenn wir vorn so viele freie Bälle vergeben, ist das doch ganz unabhängig vom Abwehrsystem.“

Lommel geht zum Saisonende

In Wahrheit geht es bei den Dissonanzen zwischen Hanning und Lommel ohnehin um mehr als um Abwehr oder Angriff. Der Trainer wird den Verein am Ende der Saison verlassen. Offiziell werden persönliche Gründe angegeben, doch es ist kaum noch zu übersehen, dass das Vertrauensverhältnis der beiden unheilbar zerrüttet ist. Hannings Angriff auf den ohnehin geschwächten Lommel hat dem schwelenden Zwist eine neue Qualität gegeben. Die Frage ist nun, ob das tatsächlich noch bis zum Saisonende gut geht.

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