Handball : Die Macht des Sponsors

Handballklub TBV Lemgo entlässt Trainer Markus Baur und Sportdirektor Daniel Stephan - und besiegt am ersten Spieltag ohne das Duo den SC Magdeburg.

Rafael Buschmann[Lemgo]

Die Handballbundesliga hat vor dem Ende des ersten Spieltags ihre erste Trainerentlassung. Am Vorabend des Spiels zwischen dem TBV Lemgo und dem SC Magdeburg benachrichtigte der Vorstand die Spieler, dass Trainer Markus Baur und Sportdirektor Daniel Stephan ab sofort beurlaubt sind. „Das war ein Schock für uns. Die beiden haben Top-Arbeit abgeliefert“, sagte Rechtsaußen Florian Kehrmann, der „persönlich betroffen war.“ Und auch Bundestrainer Heiner Brand sagte: „Unglaublich, so kann man nicht mit solch verdienten Personen umgehen.“ Als Entlassungsgrund nannten die TBV-Verantwortlichen die „anhaltende sportliche Durststrecke“.

Doch das scheint nur die halbe Wahrheit zu sein. Zwar verloren die Ostwestfalen, die am Sonntag bei den Füchsen Berlin (17.45 Uhr, Max-Schmeling-Halle) antreten, zahlreiche Vorbereitungsspiele und schieden in der Champions-League-Qualifikation aus, doch war dies wohl nicht der einzige Punkt, der zur Entlassung führte: Tatsächlich scheint der Einfluss des Hauptsponsors Heristo entscheidender zu sein. Der Geldgeber, der neben dem ehemaligen TBV-Manager Fynn Holpert, der drei weitere Personen im fünfköpfigen Aufsichtsrat hat, war nicht mehr zufrieden mit der Arbeit von Baur und Stephan. „Es ist schon sehr deutlich – und mittlerweile auch kein Geheimnis mehr – wie groß der Einfluss unseres Hauptsponsors auf die Vereinsführung ist“, sagte Mittelmann Martin Strobel. „Es fehlt an Hierarchien und Führungsspielern“, bemängelte Holpert erst, dann sagte er: „Der Riss zwischen Mannschaft und Trainer war nicht mehr zu kitten.“ Der mit vielen Nationalspielern besetzte Klub präsentierte mit Volker Mudrow einen neuen Trainer.

Beim 38:30-Erfolg über die Magdeburger saß Mudrow bereits auf der Bank. „Viel kann ich zu dem Spiel nicht sagen, da ich heute erst hier angekommen bin“, sagte er, „es war einfach wichtig, dass wir gewinnen. Dass dies nun mit acht Toren Unterschied passierte, ist ein schöner Nebeneffekt.“ Und auch Manager Volker Zerbe wirkte erleichtert: „Es war wichtig, dass wir nach den Negativerlebnissen der vergangenen Tage wieder in die Spur zurückkommen.“

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