Handball - EHF-Pokal : Füchse Berlin verlieren gegen Szeged und verpassen Finale

Aus der Traum! Die Füchse Berlin verlieren das Halbfinale im EHF-Pokals in der Max-Schmeling-Halle 22:24 gegen Pick Szeged. War der Druck für die Mannschaft am Ende womöglich doch zu groß?

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Kein Durchkommen. Bartlomiej Jaszka (Bildmitte) bleibt mit den Füchsen im Halbfinale an Szeged hängen.
Kein Durchkommen. Bartlomiej Jaszka (Bildmitte) bleibt mit den Füchsen im Halbfinale an Szeged hängen.Foto: dpa

Acht Minuten vor dem Ende bediente sich Dagur Sigurdsson des letzten Mittels aus dem Taktikhandbuch. Der Trainer der Füchse Berlin opferte seinen Torhüter in der Schlussphase zu Gunsten eines zusätzlichen Feldspielers, um bei eigenem Ballbesitz dauerhaft eine Überzahlsituation zu erzeugen. Die Maßnahme war auch Ausdruck der Hilflosigkeit, andererseits: Irgendwas musste der Isländer Trainer ja versuchen, sein Team lag im Halbfinale des EHF-Pokals gegen Pick Szeged mit vier Treffern im Rückstand (17:21), und so richtig wollte an diesem Tag einfach nichts gelingen, trotz des Heimvorteils in der Max-Schmeling-Halle, trotz der Unterstützung von 8.500 überwiegend mit den Berlinern sympathisierenden Zuschauern. Allein, auch dieser Plan ging nicht auf. „Szeged hatte eine Lösung für alles, was wir versucht haben“, sagte Sigurdsson. Und deshalb steht Ungarns Vizemeister nach dem 24:22 (13:9)-Sieg jetzt auch im Endspiel am Sonntag, während die Füchse das bedeutungslose Match um Platz drei bestreiten müssen. „Wir müssen niemandem einen Vorwurf machen außer uns selbst“, sagte Sigurdsson.

Bei seinen Spielern hörte sich das ganz ähnlich an. „Wir haben heute ganz, ganz schlecht gespielt“, sagte Torhüter Petr Stochl, „wir wollten unbedingt, aber wir haben einfach viel zu viele Fehler gemacht, deshalb ist der Sieg für Szeged absolut verdient.“ Rückraumspieler Konstantin Igropulo begab sich ebenfalls direkt in die Analyse. „Es war vielleicht unser schlechtestes Spiel der ganzen Saison“, sagte der Russe, „alle Mannschaftsteile haben zu wenig gemacht“.

Die Füchse liefen von Beginn an einem Rückstand hinterher

Die Füchse erwischten einen denkbar schlechten Start, nach zehn Minuten lagen sie bereits mit fünf Treffern zurück (1:6), und mit diesem Rückstand schleppten sie sich durch die ganze Begegnung. Phasenweise wirkten die Berliner übermotiviert und forcierten unnötig das Tempo, woraus wiederum zahlreiche Ballverluste resultierten. Bei aller Nervosität glich es überhaupt einem kleinen Wunder, dass die sie zur Halbzeit noch im Spiel waren, insbesondere bei einem Blick auf die Torhüterstatistiken. Füchse-Keeper Silvio Heinevetter schaffte das Kunststück, in 25 Minuten keinen einzigen Wurf zu parieren, er brachte nicht mal ein Körperteil an die Würfe der Ungarn und wurde kurz vor der Pause für den wesentlich stärkeren Petr Stochl ausgetauscht. Szegeds Schlussmann Roland Mikler entschärfte dagegen reihenweise gute Gelegenheiten.

Auch deshalb betrug der Rückstand der Gastgeber zur Pause vier Treffer. „Mikler war der Unterschied“, sagte Szegeds Trainer Juan Carlos Pastor. „Torhüter, Gegenstöße, Positionsangriff – abgesehen von der Abwehr hat bei uns nichts geklappt“, sagte Sigurdsson.

Füchse-Keeper Heinevetter hielt einfach keinen Ball

Nach dem Seitenwechsel blieb allerdings zunächst Stochl acht Minuten ohne Gegentor, der Tscheche weckte mit seinen Paraden auch die bis dahin eher schläfrige Halle auf. In Kombination mit einem druckvolleren Angriffsspiel verkürzten die Füchse ihren Rückstand gleich mehrfach auf ein Tor, beim Stand von 16:17 und 19:20 besaßen sie die Chance auf den erstmaligen Ausgleich. „Das war die Gelegenheit, das Spiel wieder offen zu gestalten und den Druck an den Gegner weiterzureichen“, sagte Sigurdsson. „Wir sind die ganze Zeit einem Rückstand hinterhergelaufen, das hat uns nicht gerade Sicherheit gegeben“, ergänzte der Isländer, „wenn wir einmal ausgeglichen hätten, wäre das Spiel gekippt.“ Kreisläufer Jesper Nielsen hatte mehrfach die Gelegenheit dazu, ebenso Igropulo, aber selbst der sonst so sichere Siebenmeterschütze zeigte Nerven beim Strafwurf gegen Roland Mikler.


In einer umkämpften Schlussphase bewiesen die Ungarn um ihren spanischen Weltmeister-Coach schließlich all ihre internationale Erfahrung, mit einem überragenden Schlagwurf in den Winkel zum 22:19 entschied Szolt Balogh die Begegnung. „Was Szeged taktisch gespielt hat, war erstklassig“, lobte Sigurdsson. „Trotzdem sind wir natürlich enttäuscht, dass wir so eine Chance liegen gelassen haben“, ergänzte der Füchse Trainer. Wie er die Mannschaft für das Spiel um Platz drei am Sonntag zu motivieren gedenke, wurde Sigurdsson noch gefragt. Er antwortete mit leerem Blick und schulterzuckend. So sprachlos hatte man ihn schon lange nicht mehr gesehen.

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