Handball : Ein erstklassiger zweiter Mann

Füchse-Torwart Jens Vortmann zeigt beim 35:21-Sieg gegen TuSEM Essen sein beachtliches Talent.

Hartmut Moheit

Einen Wunsch konnten die Füchse Berlin dann doch nicht erfüllen. „Halten wir Essen unter 20 Toren?“, hatte Geschäftsführer Bob Hanning in der Halbzeit seinen Torhüter Jens Vortmann gefragt, aber der musste im Bundesligaspiel mehr Treffer hinnehmen. Mit dem 35:21 (19:13) gegen den feststehenden Absteiger TuSEM Essen waren die Berliner dennoch zufrieden. „Nach den Niederlagen gegen Wetzlar und die Rhein-Neckar Löwen wollten wir Schwung für die kommenden schweren Spiele nehmen. Das ist ganz gut gelungen“, sagte Trainer Jörn-Uwe Lommel. „Wir haben viele Tore über die erste und die zweite Welle erzielt, das wollte ich sehen.“

Vor 7235 Zuschauern in der Max- Schmeling-Halle zeigte vor allem ein Spieler eine starke Leistung, der ansonsten meist als Einwechsler gefragt ist: Jens Vortmann. Mit 22 gehaltenen Bällen in 55 Minuten bestätigte der 21-Jährige die Einschätzung vieler Fachleute, die ihn für ein großes Talent halten. „Drei, vier Bälle, die in die Torwartecke kamen, hätte er noch mehr halten können, aber seine Leistung war okay“, lobte ihn ein am gestrigen Abend, einen Tag nach seinem 51 Geburtstag, sehr entspannt wirkender Jörn- Uwe Lommel.

In der kommenden Saison wird Vortmann für den TSV Dormagen spielen, wo der in Deutschland als „Hexer“ bekannte Andreas Thiel sein Torwarttrainer sein wird. „Ich kenne ihn ja bereits aus der Junioren-Nationalmannschaft“, erzählte Vortmann. Bei den Füchsen, die Nationalspieler Silvio Heinevetter verpflichtet haben und die mit dem gestern leicht verletzten Petr Stochl über einen zweiten Klasse-Torhüter verfügen, wären Vortmanns Spielanteile eher noch weniger geworden. „Jens hat die Chance, sich in Dormagen zu entwickeln, vielleicht kommt er ja eines Tages als die große Verstärkung zu uns zurück“, sagte Bob Hanning.

Gegen TuSEM Essen durfte er diesmal aber so lange spielen wie nie zuvor in der Bundesliga. Nur kurz vor Schluss, beim 32:19, bekam der junge Patrick Ziebert noch seine Chance. Dass er eingesetzt wurde, dazu zum ersten Mal in der Ersten Liga ein paar Minuten auch Colja Löffler, war vor allem auf die Überlegenheit der Füchse über die gesamten 60 Minuten zurückzuführen. In Konrad Wilczynski (12 Tore/5 Siebenmeter), Rico Göde (7) und Kjetil Strand (4) hatten sie ihre erfolgreichsten Werfer. Essen, das wegen seiner Insolvenz zehn Leistungsträger unter anderem auch durch fünf Ausbildungsspieler aus England ersetzt hat, agierte vor allem in der zweiten Hälfte im Angriff zu drucklos. Deshalb hätten die Füchse gegen diesen – vielleicht Zweitliga-Mittelmaß aufweisenden – Gegner eigentlich noch viel höher gewinnen müssen.

Zeitweise wurde die Chance unzureichend genutzt, im Training geübte Kombinationen unter Wettkampfbedingungen zu erproben. „Da fehlt uns der an der Hand operierte Bartlomiej Jaszka doch sehr“, sagte Lommel dazu. Der WM- Dritte aus Polen hofft auf sein Comeback am 10. April in der O2-World gegen den THW Kiel. Spätestens das wird dann auch wieder ein Spiel sein, in dem Jens Vortmann wieder zweite Wahl ist.

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