Handball : Ein Olympiasieger kommt: Füchse verpflichten Spoljaric

Die nächsten zwei Jahre läuft Rückraumspieler Spoljaric für die Füchse Berlin auf. Einen „Kracher“ nennt Geschäftsführer Hanning den Kroaten.

von und Erik Eggers

Berlin - Vor acht Wochen trug Denis Spoljaric noch das Trikot eines Vereins aus Beirut. Der Klub Al-Sad aus der libanesischen Hauptstadt hatte den kroatischen Handballer neben anderen Legionären für die in Katar stattfindende Vereins-Weltmeisterschaft „Super Globe“ verpflichtet. Für den großen Triumph reichte es nicht, Al-Sad unterlag im Halbfinale dem europäischen Teilnehmer BM Ciudad Real. Die nächste Aufgabe, die der 30-Jährige angeht, ist in sportlicher Hinsicht ernster zu nehmen: Die nächsten zwei Jahre läuft der Rückraumspieler für die Füchse Berlin in der Bundesliga auf, die als beste Liga ihrer Sportart gilt. Einen „Kracher“ nennt Bob Hanning den Kroaten. „Er ist hinten und vorne einsetzbar“, sagt der Geschäftsführer der Füchse. Spoljaric könne sowohl den nach Lemgo abgewanderten Rückraumspieler Sebastian Schneider in der Offensive als auch den immer noch verletzten zentralen Abwehrmann Stian Vatne ersetzen.

Vielseitig einsetzbar ist Spoljaric fraglos. Schließlich entstammt der Zagreber der jugoslawischen Handballschule, die für ihre hervorragende taktische und technische Ausbildung gerühmt wird. Der Rechtshänder kann theoretisch im gesamten Rückraum spielen, der mit Michal Kubisztal, Rune Karason und den anderen Zugängen Sven-Sören Christophersen und Alex Pettersson bereits eine hohe Qualität aufweist. Aber Spoljaric dürfte auch auf der Spielmacherposition eingesetzt werden, als zweiter Mann hinter dem etablierten polnischen Nationalspieler Bartlomiej Jaszka. „Jetzt ist jede Position bei uns doppelt gut besetzt“, sagt Hanning.

Darüber hinaus verfügt Spoljaric über große Erfahrung. Er zählte zur Mannschaft, die Deutschland im WM-Finale 2003 bezwang. Und auch 2004 war er Teil des Teams, das mit dem Olympiasieg in Athen (erneut gegen Deutschland) Handballgeschichte schrieb. Hinzu kommen zahlreiche nationale Titel mit RK Zagreb, Pfadi Winterthur und dem slowenischen Topklub RK Celje.

So einen prominenten Namen „muss man natürlich bezahlen“, erklärt Hanning. Ein Schnäppchen sei Spoljaric nicht, „aber das ist wirtschaftlich für uns machbar“. Es sei „auf gar keinen Fall ein Risiko, den Abwehrchef der Kroaten zu verpflichten“. Allerdings bezeichnen Kenner des kroatischen Handballs Spoljaric als Einzelgänger und eigensinnig. Im Jahr 2001 erwog der THW Kiel eine Verpflichtung, sah nach einem Test aber wieder davon ab. Auch nach Spanien schaffte es Spoljaric nicht, weil er bislang zu wenig Qualität in der Offensive zeigte. Und in der Nationalmannschaft stand er stets im großen Schatten der Stars Ivano Balic und Domagoj Duvnjak. Für die Europameisterschaft 2010 wurde er erst gar nicht nominiert. Kurzum: Das Engagement bei den Füchsen Berlin ist seine letzte Chance.

Bob Hanning, dessen umstrittener Werbevertrag mit einem Wettanbieter kürzlich von der Handball-Bundesliga als unbedenklich eingestuft wurde, erklärt die Transferaktivitäten der Füchse mit der Vepflichtung Spoljarics vor dem Saisonstart Ende August für beendet. „Wir sind noch einen Tick stärker als letztes Jahr“, erklärt der Manager der Berliner, „und können nun hoffentlich um die Europacup-Plätze mitspielen.“ Erik Eggers/Christian Hönicke

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