Handball : Ein Rekord zu viel

Handball ist die neue In-Sportart in der Hauptstadt. Die Heimspiele der Berliner Füchse sind offiziell regelmäßig ausverkauft. Künftig sollen sogar Zusatztribünen die Fans aufnehmen. Da stellt sich die Frage: Verkaufen die Füchse zu viele Karten oder geben sie ihre Zuschauerzahlen nicht korrekt an?

Hartmut Moheit
Füchse
Blick in die ausverkaufte Max-Schmeling-Halle beim Spiel der Berliner Füchse gegen den SC Magdeburg. -Foto: Camera 4

Berlin - Besser konnte die Stimmung in der Max-Schmeling-Halle kaum sein. Erstligist Füchse Berlin sorgte beim 33:31- Sieg gegen den SC Magdeburg dafür, dass die Fans einen großen Handballabend erleben konnten. Es war nicht der erste dieser Art beim Bundesliga-Aufsteiger, aber es war gegen den EHF-Cup-Gewinner von 2007 der bisher beeindruckendste. „Es ist ein Traum, vor dieser Kulisse spielen zu können“, sagte Füchse-Kapitän Petr Stochl, während der Ex-Nationalspieler und heutige Magdeburger Sportdirektor Stefan Kretzschmar seine Eindrücke mit „grandios“ zusammenfasste.

Mit einer solchen Entwicklung, die nicht zuletzt auf eine enorme Leistungssteigerung des Teams zurückzuführen ist, hatte Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning „noch vor ein paar Wochen nie gerechnet“. Die Füchse Berlin sind zum Zuschauermagnet geworden, was auch ihn ein wenig zu euphorisch gestimmt hat. Eigentlich brauchten die Füchse Berlin die Rekordmeldungen über immer neue Zuschauerrekorde überhaupt nicht, um auf sich aufmerksam zu machen – der Andrang wird auch ohne dem immer größer. Dass nun im Spiel gegen Magdeburg nicht die offiziell vom Hallenbetreiber Velomax als Maximum ausgewiesenen 8500 Zuschauer dabei waren, sondern es offiziell 9413 gewesen sein sollen, kann eigentlich nur zwei Gründe haben: Entweder haben die Füchse zu viele Karten verkauft. Oder die Füchse haben nicht die korrekte Zuschauerzahl angegeben. Es dürfte wohl eine Mischung aus beidem gewesen sein. Laut Hanning soll das „keine Konsequenzen“ haben, aber auch nicht wieder vorkommen.

„Wir können dem Ansturm in Zukunft nur noch durch Zusatztribünen entsprechen“, sagte der Manager gestern. Spätestens beim Heimspiel gegen den THW Kiel am 27. April dürfte der Andrang ohne die Aufstockung nicht mehr zu bewältigen sein. An der Stirnseite nahe dem Eingangsbereich wäre das möglich. Henning Opitz, der Präsident des Berliner Handball-Verbandes kennt die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben: „Wir hatten den Einbau zur Handball-WM 2007 mal erwogen, aber das wäre zu teuer geworden. Damit bekommt man rund 700 Zuschauer mehr in die Halle.“ Ob die Zahl von 10 000 erreicht werden kann, bezweifelt er. Dass im Stehplatzbereich immer mehr möglich ist, wie am Sonntag gegen Magdeburg, ist aber ebenfalls eine Tatsache.

Aber um eines werden die Verantwortlichen der Füchse Berlin bei dieser Entwicklung nicht herumkommen: sich noch einmal mit dem Thema eines Umzuges in die O2-World zu befassen. Zwar sagt Bob Hanning, dass sich die Füchse „in der Max-Schmeling-Halle sehr wohl fühlen, vor allem die Nähe zu den Fans schätzen“ würden, aber er wird sich der Entwicklung letztlich nicht entziehen können. Der Handball in Deutschland boomt, Hallen unter 10 000 Zuschauern für Spitzenteams sind nicht mehr zeitgemäß.

Davon sind die Füchse zwar noch ein ganzes Stück entfernt, aber das selbst ausgegebene Ziel ist international orientiert. In zwei Jahren soll das Team soweit sein, dass es in den Kampf um Europapokalplätze eingreifen kann. Derzeit haben die Berliner mit dem Sieg gegen Magdeburg das gröbste im Abstiegskampf überstanden – und die Halle ist proppenvoll. Die O2-World am Ostbahnhof, die in diesem Herbst eröffnet wird, fasst rund 15 000 Zuschauer. Es istkaum zu glauben, dass der Hallenbetreiber nicht alles versuchen wird, die Füchse nicht doch noch zu sich zu lotsen. Berlin hat neben – und nicht hinter – Eishockey und Basketball eine dritte Kraft im Sport dazu bekommen, dessen Potenzial noch viele Chancen bietet.

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