Handball : Ein Spiel für die Ewigkei

Kiels Handballer demontieren Barcelona in der Champions League - den erfolgreichsten Klub der Welt.

Erik Eggers

Kiel - Zehn Tore Vorsprung – „der Wahnsinn“, sagte Linksaußen Dominik Klein schweißgebadet, als die Kieler Ostseehalle noch bebte, als dieser 60 Minuten währende Schrei des Publikums langsam abebbte, als die über 10 000 Zuschauer noch ungläubig die Köpfe schüttelten. Manch älterer unter ihnen kramte in der Erinnerung nach Vergleichbarem. Es fand sich nichts. Mit 41:31 (20:15) hatte der THW Kiel den ruhmreichen FC Barcelona gedemütigt, den mit sieben Champions-League-Siegen erfolgreichsten Klub dieses Planeten.

Es war eine historische Niederlage für Stars wie Iker Romero, Torwart Kaspar Hvidt oder Laszlo Nagy: Noch nie hatte Barcelona in dem wichtigsten Klubwettbewerb mehr als 40 Tore kassiert. Und dann diese Frage an den Trainer des FC Barcelona: „Was müssen Sie im Rückspiel anders machen?“ Bevor aber Manuel Cadenas zu Wort kam, sagte Kiels Trainer Noka Serdarusic: „Das würde mich jetzt auch interessieren.“

Denn in dieser Form wird Kiel auch das Rückspiel am Sonntag überstehen. Und in dieser Form wird auch der Sieger des zweiten Halbfinals, der am Freitag zwischen dem HSV Hamburg und BM Ciudad Real (Hinspiel 27:34) ermittelt wird, kaum eine Chance haben gegen den Titelverteidiger, der in einer der spektakulärsten Champions-League-Partien aller Zeiten Handball wie vom anderen Stern geboten hatte. Überragend, wie Torwart Thierry Omeyer (20 Paraden) teilweise Würfe aus nächster Distanz parierte. Famos, wie Filip Jicha, der wochenlang wegen eines Bänderrisses ausgesetzt hatte, nach 15 Minuten den verletzten Star Nikola Karabatic ersetzte und noch neun Tore warf, präziser: den Ball mit aller Gewalt ins Tor hämmerte. Atemberaubend die Schlagwürfe und Heber des Linksaußen Klein, der wie aufgedreht über das Feld rannte. Sensationell auch die Abwehrleistung des Norwegers Börge Lund.

2000, 2001 und 2005 ist der THW Kiel am FC Barcelona gescheitert. Gut möglich, dass der Klub in diesen Wochen nicht nur einen Fluch besiegt, sondern vielleicht sogar einen neuen Mythos schafft. Erik Eggers

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben