Handball-EM : Der Weltmeister bleibt in Europa

Deutschlands Handballer kämpfen sich mit dem dramatischen 31:29-Sieg gegen Schweden ins EM-Halbfinale – dort wartet Dänemark.

Erik Eggers[Trondheim]
Deutscher Jubel Foto: dpa
Die deutschen Handballer bejubeln den Einzug ins EM-Halbfinale. -Foto: dpa

Noch 10 Sekunden zeigt die Uhr, als Bundestrainer Heiner Brand die Auszeit nimmt. Die deutsche Handball-Nationalmannschaft führt in Unterzahl mit einem Tor, und nur diese 10 Sekunden sind noch zu überstehen gegen die Schweden, um das Halbfinale der Europameisterschaft in Norwegen zu erreichen. Als wieder angepfiffen wird, schauen alle auf Christian Zeitz. Der Kieler Halbrechte führt den Ball, verzögert ein wenig das Spiel – dann passt er auf Kapitän Markus Baur, und der drischt den Ball zwei Sekunden vor Schluss ins gegnerische Tor zum 31:29 (16:18). Danach stürzen die deutschen Spieler auf Johannes Bitter zu, den Torwart, der mit seinen Paraden am Ende zum Matchwinner eines dramatisches Spiel zwischen zwei gleichwertigen Mannschaften vor rund 3000 Zuschauern in der Trondheimer Spektrumhalle wurde. Im Halbfinale wartet nun am Sonnabend (18.00 Uhr/ARD) der WM-Dritte aus Dänemark, der souveräne Sieger der Hauptrundengruppe I von Stavanger.

Bundestrainer Heiner Brand war nach dem Spiel sichtlich erleichtert darüber, dass seine Zielvorgabe mit dem Halbfinaleinzug erreicht wurde. Er freute sich über „eine enorme Verbesserung“ im Angriffsspiel. „Das ist nach den bisher gezeigten Leistungen schon eine kleine Überraschung.“ In der Tat: Dass der bislang so geschmähte Rückraum mit insgesamt 16 Toren endlich durchbrechen würden, war nicht mehr erwartet worden. „Wir waren alle heiß“, sagte Holger Glandorf, der wie sein Rückraumkollege Pascal Hens sieben Tore warf. „Wir wollten unbedingt dieses Halbfinale“, meinte Hens. Und Kapitän Baur war sich sicher: „Das zeigt den Charakter dieser Mannschaft, dass wir im entscheidenden Moment da sind.“ Getrübt wurde die Freude durch den Ausfall von Oliver Roggisch. Für den Schlüsselspieler in der Abwehr ist das Turnier nach einer Wadenverletzung vermutlich zu Ende.

Zu Beginn hatte es allerdings nicht nach einem Happyend für die Deutschen ausgesehen. Die Abwehr bekam die schwedische Offensive in der ersten Halbzeit nie in den Griff. „Wir hatten da einige Probleme“, räumte Brand ein. Mal ließ sich Holger Glandorf täuschen, so dass Aufbauspieler Dalibor Doder frei zum Wurf kam. Mal rutschte Torwart Johannes Bitter, der anfangs im Tor stand, der Ball durch die Hand. Brand ersetzte Bitter recht früh durch Henning Fritz.

Auf der anderen Seite rannte sich die deutsche Offensive immer wieder im schwedischen Abwehrblock fest. Lediglich die Gewaltwürfe von Linkshänder Glandorf hielten den Weltmeister noch im Spiel. Der 24-Jährige traf fünf Mal allein im ersten Abschnitt aus dem Rückraum. Zur Halbzeit lag das deutsche Team mit zwei Toren zurück – das Halbfinale drohte zu entschwinden.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit trafen Glandorf per Durchbruch und Hens zwar innerhalb von 70 Sekunden zum 18:18-Ausgleich. Doch die Deutschen konnten sich einfach nicht absetzen. Als sich Abwehrspezialist Roggisch in der 38. Minute verletzte, lagen sie gar wieder 20:21 zurück. Nun mussten es Andrej Klimovets und Sebastian Preiß, der sich kurz vor Schluss ebenfalls verletzte, im Mittelblock versuchen. Auch Aufbauspieler Michael Kraus fiel ab der 45. Minute mit einem lädierten linken Ellenbogen aus.

In der engen und spannenden Schlussphase konnte sich immerhin Torhüter Bitter, seit der 41. Minute wieder im Spiel, erheblich steigern. Als der Kieler Christian Zeitz zweimal und Hens aus dem Rückraum trafen, hatte sich Deutschland beim 30:27 kurz vor Schluss erstmals etwas abgesetzt. Doch obwohl Bitter einen Siebenmeter gegen Lundström hielt, kamen die Schweden noch einmal bis auf ein Tor heran. Ein Unentschieden hätte ihnen zum Halbfinaleinzug gereicht. Am Schluss blieb Christian Zeitz cool genug, dem Druck der Schweden standzuhalten.

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