Handball-EM : Sieben Meter fehlen

Deutschlands Handballer verlieren in einem dramatischen Halbfinale 25:26 gegen Dänemark. Gegen Frankreich spielt das DHB-Team nun bei der EM um Platz drei.

Erik Eggers[Lillehammer]
Hanball
Aus der Traum. Das Team von Heiner Brandt hat den Finaleinzug verpasst. -Foto: dpa

Als alles gesagt war, als alle Fragen beantwortet waren, gaben sich Bundestrainer Heiner Brand und Ulrik Wilbek, der dänische Coach, noch einmal die Hand. Dann klopfte Brand seinem Kollegen auf die Schulter. War in Ordnung, sollte die Geste sagen, und Wilbek nahm das Kompliment lächelnd entgegen. Sportlich fair also nahm der deutsche Handball-Coach die 25:26 (13:10)-Niederlage im Halbfinale der Europameisterschaft gegen Dänemark auf, so bitter sie auch war. „Der Sieg war nicht unverdient“, hatte Brand zuvor erklärt. „Obwohl bis zur letzten Sekunde alles möglich war.“ In der Tat: Hätte Torhüter Henning Fritz, der zuvor nicht eingesetzt worden war, drei Sekunden vor der Schlusssirene den Siebenmeter von Lars Christiansen gehalten, hätte es Verlängerung gegeben. Aber der Flensburger Linksaußen, dem seit Jahren nachgesagt wird, er verliere in entscheidenden Momenten die Nerven, hatte diesmal getroffen.

Danach sprangen die dänischen Ersatzspieler mit so viel Energie auf, dass die Bank dabei umfiel. Die deutschen Handballer dagegen sanken enttäuscht zu Boden. Sie spielen heute (13 Uhr 30, live im ZDF) nur gegen Frankreich um Bronze. „Die Franzosen sind auch fertig mit der Welt“, sagte der nachnominierte Frank von Behren, der sich gut in den Mittelblock eingefügt hatte. „Wir müssen jetzt alles geben, damit wir wenigstens diese Medaille gewinnen.“

Vor 5000 Zuschauern in der halb gefüllten Hakons Hall in Lillehammer hatten die Skandinavier stark begonnen. Die 6:0-Abwehr mit dem Mittelblock Nielsen/Jörgensen stellte besonders Rückraumstar Pascal Hens (HSV Hamburg) vor Probleme. In dieser Phase hielt nur der sprunggewaltige Nordhorner Linkshänder Holger Glandorf die Deutschen im Spiel: Der 24-Jährige überwand immer wieder den dänischen Block. Als er in der neunten Minute zum 4:4 ausglich, hatte er bereits drei Treffer erzielt.

Dennoch schienen die Dänen ein Übergewicht zu erspielen, da nun ihr Torhüter Kaspar Hvidt sehr stark auftrat. Nach einer Auszeit von Brand aber wendete sich das Blatt. Nun stellte die bewegliche deutsche Abwehr den Gegner vor Probleme. Und Torhüter Johannes Bitter (HSV Hamburg) spielte sich in einen wahren Rausch: Der 2,03 Meter lange Torwart parierte reihenweise Würfe, und die Abpraller nutzte vor allem Florian Kehrmann für Tempogegenstöße. Plötzlich führte der Weltmeister 12:7. Doch die Dänen gaben nicht auf und verkürzten bis zur Pause auf 10:13. „Da haben wir den Vorsprung leichtfertig teilweise verspielt“, monierte Brand.

Nach der Pause fiel Bitter etwas ab, nun vereitelte sein dänischer Kollege Hvidt beste Chancen. Die Dänen konnten ausgleichen, es stand nun nur noch 15:15. In der dramatischen Schlussphase konterte Deutschland einen 18:20-Rückstand in vier Minuten und ging 21:20 (50.) in Führung. Doch in der 57. Minute lag das Team von Heiner Brand wieder zurück: 23:25.

Wieder kämpfte sich das verletzungsgeschwächte Team (Velyky, Roggisch) trotz weiterer Ausfälle (Kehrmann, Zeitz) heran: Sebastian Preiß traf nach einem schönen Anspiel vom Kreis, und als Michael Kraus 20 Sekunden vor Schluss das 25:25 erzielte, hoffte das deutsche Team wieder. Doch die Dänen nutzten in den letzten Sekunden ihre Chance. „Die Entscheidung war okay“, sagte Brand zu dem entscheidenden Siebenmeter. Auch Florian Kehrmann, der mit sechs Toren beste deutsche Spieler, sagte anerkennend: „Das geht so in Ordnung. Die Dänen waren mal dran.“

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