Handball : Erwartet, aber knapp

Die Füchse Berlin holen sich in der Bundesliga die achte Niederlage in Serie ab. Immerhin stimmen beim 30:32 gegen die SG Flensburg-Handewitt Leistung und Ergebnis Verantwortliche und Fans versöhnlich.

Hartmut Moheit

Berlin - Plötzlich sprangen sie alle auf von der Füchse-Bank. Gerade hatte der Torhüter Jens Vortmann einen Ball spektakulär gehalten – in der 53. Minute beim Spielstand von 25:30. Auf dieses Signal hatten die Berliner gewartet, auf ein Signal für einen großen Endspurt gegen die SG Flensburg-Handewitt. Doch am Ende reichte es nicht mehr zur Sensation gegen die Gäste, die in den zurückliegenden zwölf Jahren achtmal deutscher Vizemeister waren. Vor 7156 Zuschauern in der Schmeling-Halle gab es mit 30:32 (15:17) die eigentlich erwartete Niederlage für die Füchse Berlin, die achte in Folge in der Handball-Bundesliga. Nur die kühnsten Optimisten hatten zuvor mit mehr gerechnet, doch die Mannschaft hatte zumindest gekämpft. „Das Team hat gezeigt, dass es intakt und leistungswillig ist“, sagte Trainer Jörn-Uwe Lommel zum drittletzten Heimauftritt in dieser Saison. Gerade dieser Zustand war den Füchsen zuletzt abgesprochen worden.

Die Tabellenzehnte hatte sich gegen den prominenten Gegner eine Doppel- Wechsel-Taktik zwischen Deckung und Angriff ausgedacht. Mit Michal Bruna auf der vorgezogenen Position und Sascha Detlof auf der rechten Halbposition war die Abwehr auch lange recht stabil. So kam der junge Trainersohn Oscar Carlén, der bereits als neuer Jahrhundert-Handballer gepriesen wird, nur zu zwei Treffern für Flensburg. „Das hat uns nicht beunruhigt“, erklärte Per Carlén. „Wir rechneten damit, dass die Füchse in der ersten Halbzeit stark sein, danach aber ihr Niveau nicht halten würden.“

Die Probleme der Berliner lagen aber auch in Halbzeit eins bereits im Angriff. Vom Kreis, wo Rico Göde einmal mehr nicht zum Zuge kam, waren sie praktisch wirkungslos, und aus dem Rückraum fehlten die sogenannten einfachen Tore. So konnten die Flensburger geduldig auf technische Fehler warten, die sie dann in schnelle Konter und Tore umwandeln konnten. Dabei war vor allem Lars Christiansen in seinem Element. Mit zehn Toren, davon vier Siebenmeter, war er erfolgreichster Werfer des gesamten Spiels.

Aber die Füchse hatten auch ein wichtiges Plus: ihren Kampfgeist. Sie gaben nie auf, kämpften sich nach Rückständen (6:8, 9:11, 13:16) immer wieder heran. Vor allem auf Konrad Wilczynski war Verlass, der fünf seiner sechs Tore in der ersten Hälfte von der Siebenmeterlinie warf. Umso unverständlicher war, dass beim 7:8 (14. Minute), als Carlén auch noch eine Zweiminutenstrafe bekommen hatte, Mark Bult zum Strafwurf antrat. Der scheiterte kläglich, die Ausgleichschance war leichtfertig vergeben. Aber das 15:17 zur Pause ließ noch alle Chancen auf eine Überraschung.

Doch diese Hoffnung war sehr schnell dahin. Flensburgs bewegliche 6:0-Deckung wirkte nun noch sicherer, auch weil die Füchse ihr Heil in Einzelaktionen suchten. Und einen gefährlichen Schützen aus der zweiten Reihe haben sie nun mal in dieser Saison nicht in ihren Reihen. Ein solcher Spieler hätte vielleicht noch etwas zum Positiven bewirken können. So zog Flensburg sechs Tore (28:22/47.) davon, bis sich die Füchse noch einmal zu einem versöhnlichen Schlussspurt aufraffen konnten. Die von ihnen zuletzt nicht gerade verwöhnten Fans waren ihnen dafür derart dankbar, dass sie ihnen nach dem Abpfiff wie Siegern zujubelten.

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