"Es sind nicht viele Jobs, die für mich in Frage kommen"

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Handball-Europameister : Dagur Sigurdsson: „Die Hymne zu singen, gehört für mich dazu“

Frankreich, Spanien, Island … in der kleinen Handball-Welt können Sie sich die Jobs nun sicher aussuchen.

Ohne arrogant zu klingen: Es sind nicht so viele Jobs, die für mich infrage kommen.

Welche kommen denn infrage?

In erster Linie suche ich gar keinen neuen Job. Ich bin quasi erst ein halbes Jahr richtig Bundestrainer. Ich bin immer für alles offen, aber ich bin glücklich, wo ich bin.

Vor ein paar Jahren hatten Sie das Angebot, das dänische Team zu trainieren.

In meinem Vertrag gibt es immer eine Ablösesumme, auch damals als Trainer der Füchse. Aber die Dänen waren wohl nicht bereit, diese Summe zu zahlen. Auch Norwegen hatte damals großes Interesse. Die einzige Möglichkeit war aber Deutschland, weil ich hier ein Jahr lang in Doppelfunktion arbeiten konnte, also als Vereins- und Nationaltrainer. Damit hatte sich auch das mit der Ablösesumme erledigt.

Ihr Vertrag als Bundestrainer läuft allerdings nur noch bis 2017.

Ich habe grob einen Vertrag bis 2020. Aber es gibt eine Klausel für beide Seiten, das 2017 zu beenden. Das wollte der DHB so. Ich kann damit leben.

Wann wird über Ihre Zukunft entschieden? Nach der WM 2017 in Frankreich?

Keine Ahnung, wie das läuft.

DHB-Vize Bob Hanning hat das Projekt 2020 ausgerufen. Ist das auch Ihr Projekt?

Ich habe keine anderen Pläne. Ich habe doch gerade erst angefangen, und eigentlich läuft’s nicht schlecht.

Welche Rolle spielt in Ihren Plänen Ihr Wohnort Berlin? Begreifen Sie sich nach mehr als einem Jahrzehnt in Deutschland als Weltbürger oder als Deutscher?

Meine Familie und ich, wir haben uns überall wohlgefühlt. In Wuppertal, Hiroshima, Bregenz, Island, auch in Berlin. Aber natürlich spielt es eine Rolle, dass unsere Kinder älter geworden sind und hier zur Schule gehen. Die haben hier stärkere Wurzeln als vor sieben, acht Jahren. Zwei von ihnen sind in Deutschland geboren, das hier ist für sie ihr Zuhause.

Sie haben bei der EM die deutsche Nationalhymne mitgesungen. War das Teil Ihrer Teamgeist-Strategie?

Ich habe selber über 200 Länderspiele für Island gemacht, und da singt man die Hymne einfach mit. Zu einem Länderspiel gehört das dazu. Ich finde es gut, dadurch in die Stimmung zu kommen. Da ist aber keine große Strategie dahinter.

Haben Sie die Hymne im Training geübt?

Ich habe die Hymne nicht studiert oder so. Ich habe angefangen, ein bisschen mitzuhören und mitzuhymnen. Und dann lernt man immer ein bisschen mehr davon.

Eine rein sportliche Angelegenheit und keine Bewerbung für den deutschen Pass?

Ich bin und bleibe durch und durch Isländer. Und ich versuche nicht, das zu ändern oder zwanghaft Deutscher zu werden.

Sie haben schon viele deutsche Tugenden: Gründlichkeit, Pünktlichkeit, Seriosität.

Es ist sicher kein Zufall, dass isländische Trainer hier so gut funktionieren. Wir passen einfach gut zu dieser Kultur.

Von der Musik abgesehen.

Ja!

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