Handball : Füchse Berlin: Der Spaßvogel wartet

Ivan Nincevics Zukunft bei den Füchsen ist ungewiss.

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Berlin - Gekommen, um wieder zu gehen. So ließe sich die Mission von Ivan Nincevic beim Handball-Bundesligisten Füchse Berlin auf den Punkt bringen. Nach rund vier Monaten in Berlin soll das Engagement des 28 Jahre alten Kroaten, der für den verletzten Stamm-Linksaußen Konrad Wilczynski kurzfristig im Januar verpflichtet wurde, im Sommer schon wieder beendet sein. An diesem Plan habe sich auch nichts geändert, sagt Trainer Dagur Sigurdsson, der aber zugibt: „Seine Leistung wird immer besser, er strahlt viel Selbstbewusstsein aus und passt mit seinem Humor sehr gut ins Team.“

Beim 31:25 am Sonntagabend in der mit 9000 Zuschauern ausverkauften Schmeling-Halle war Nincevic mit acht Toren bei acht Würfen der beste Feldspieler. Er konnte damit seine Bilanz nach vier Spielen in der Bundesliga auf 20 Treffer erhöhen. „Ja, ich bin auch ganz zufrieden, es macht wahnsinnig Spaß, vor diesen Fans zu spielen“, sagt er. Und obwohl auch er davon ausgeht, dass er dieses Gefühl nur noch bis zum Saisonende genießen kann, gibt er zu: „Ich würde schon sehr gern bei den Füchsen bleiben.“

Auch der Österreicher Wilczynski hätte damit keine Probleme, obwohl er sich damit plötzlich einem harten Konkurrenzkampf stellen müsste. „Erst einmal ist es toll, dass Ivan sofort zu einer Stütze geworden ist“, sagt er. Damit könne er seine bei der EM im Januar erlittene Handverletzung ruhig auskurieren und müsse kein Risiko eingehen. „Für eine Mannschaft, die in der kommenden Saison den Europacup zum festen Ziel hat, ist eine doppelt starke Besetzung auf jeder Position nur von Vorteil“, sagt Wilczynski. Offiziell zweiter Mann auf Linksaußen bei den Füchsen ist vertraglich der erst 21-jährige Martin Murawski, der jedoch in dieser Saison noch nicht überzeugen konnte. Auch dadurch geraten die Füchse in die Klemme, wenn es um Anspruch und Wirklichkeit geht.

Zum einen hat sich Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning die „Berlinisierung“ zum Ziel gesetzt, sprich: die Entwicklung eigener Talente zu Bundesligaspielern. Zum anderen erwarten die stets ungeduldigen Fans in Berlin den baldigen Aufstieg ihrer Mannschaft in die oberen Bundesliga-Regionen. „Dennoch bin ich ein Gegner von schnell erkauften Erfolgen“, sagt Hanning. Auf Pump sei das mit ihm ohnehin nicht zu machen. „Unsere Geschäftspartner erwarten von uns Seriosität und bekommen sie auch“, sagt er. Mit den Verpflichtungen von Nationalspieler Sven-Sören Christophersen und des Isländers Alexander Petersson für die neue Saison sei die finanzielle Grenze erreicht. „Na klar, mein Trainer hat immer wieder neue Wünsche und Vorstellungen, aber es kann nur ausgegeben werden, was in der Kasse ist“, sagt Hanning.

Dass er im Fall von Ivan Nincevic durchaus noch einmal bei Hanning vorstellig werden könnte, schließt der Füchse-Trainer aber nicht aus. „Über das Thema werden wir noch reden, wir werden sicherlich seine Gesamtleistung zum Saisonende beurteilen“, sagt Sigurdsson vielsagend. Und für den Fall, dass Hanning seine Botschaft vielleicht verstanden haben könnte, wird Sigurdsson noch ein bisschen deutlicher: „Seine Leistung gegen Magdeburg war sensationell.“ Und Nincevic, der am Wochenende seiner Familie die Stadt zeigte, sagt: „In Berlin ist es einfach geil.“

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