Handball : Füchse Berlin können THW Kiel die Meisterschaft versauen

Im Fernduell zwischen dem THW Kiel und den Rhein-Neckar Löwen entscheidet sich am letzten Spieltag die Meisterschaft. Kiels Gegner, die Füchse Berlin, kann dabei Schicksal spielen. "Wir fahren nicht nach Kiel, um uns abschießen zu lassen", sagt Trainer Sigurdsson.

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Füchslein an der Waage: Trainer Dagur Sigurdsson fordert von seinen Spielern vollen Einsatz im letzten Spiel - um vielleicht Kiel die Meisterschaft noch zu versauen.
Füchslein an der Waage: Trainer Dagur Sigurdsson fordert von seinen Spielern vollen Einsatz im letzten Spiel - um vielleicht Kiel...Foto: dpa

Eine vergleichbare Konstellation gab es schon lange nicht mehr. Zuletzt ist 2001 die Entscheidung über die Vergabe des Meistertitels am letzten Spieltag gefallen, im direkten Duell zwischen dem SC Magdeburg und der SG Flensburg-Handewitt. Auch in diesem Jahr freut sich die deutsche Handball-Szene auf den 34. Bundesliga-Spieltag wie schon lange nicht mehr. Weil Tabellenführer Rhein-Neckar Löwen und Verfolger THW Kiel vor dem Finale am Samstag (16 Uhr, Konferenz bei Sport 1) punktgleich an der Spitze stehen, kann in den jeweiligen Begegnungen der Konkurrenten jeder Treffer entscheidend sein für den Ausgang der Meisterschaft. „Das ist eine Situation, von der man nur träumen kann“, sagt Oliver Lücke, der Sprecher des Liga-Dachverbands HBL. Im Moment spricht das um sieben Treffer bessere Torverhältnis für die Löwen.

Mit der hohen Erwartungshaltung gehen allerdings auch logistische Herausforderungen einher: Wer fährt mit der Original-Meisterschale wohin, und wer packt das Duplikat ein? Nach aktuellem Stand wird sich HBL-Präsident Reiner Witte mit Geschäftsführer Frank Bohmann auf den Weg nach Gummersbach machen, wo die Rhein-Neckar Löwen antreten. Holger Kaiser, der zweite Geschäftsführer, reist mit einer Nachbildung nach Kiel, wo der THW die Füchse Berlin empfängt. Filip Jicha, der Kapitän des Rekordmeisters, hat schon mal eine Kampfansage an die Konkurrenz aus Mannheim gerichtet. „Sieben Treffer Differenz sind keine Vorentscheidung“, sagte der Tscheche, „wir werden alles tun, um noch den Titel zu holen.“

Spannend wird zu beobachten sein, wie viel Gegenwehr die Löwen und der THW von ihren Gegnern erfahren, für die es um nichts mehr geht als den eigenen Ruf. Zuletzt sind in diesem Zusammenhang zwei Klubs negativ aufgefallen: Am 31. Spieltag ließ sich der TBV Lemgo von den Kielern in alle Einzelteile zerlegen (24:46), eine Woche später überrannten die Löwen den bereits als Absteiger feststehenden ThSV Eisenach in eigener Halle (42:19).

Wenn Kiel und Löwen nach dem Spieltag weiter gleichauf sind, gibt es zwei Entscheidungsspiele

„Es ist eine Frage des Anstands und der sportlichen Fairness, dass man dieses letzte Spiel mit der notwendigen Ernsthaftigkeit angeht“, sagt Bob Hanning, Manager der Füchse Berlin. Wer Kiels Gegner am Mittwoch bei der 25:26-Heimniederlage gegen den Bergischen HC gesehen hat, darf sich allerdings zumindest um die Konkurrenzfähigkeit des Klubs sorgen. Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson verspricht: „Wir fahren nicht nach Kiel, um uns abschießen zu lassen.“

Sollten Kiel und Rhein-Neckar Löwen nach dem 34. Spieltag tatsächlich Punkt- und Torgleichheit aufweisen, sieht Paragraf 44 der Spielordnung zwei Entscheidungsspiele vor. Geplant sind die Partien zwischen dem 18. und 29. Juni, wie der Ligaverband HBL mitteilte. Martin Heuberger wird das erleichtert zur Kenntnis nehmen. Der Bundestrainer kann sich nun ab Anfang Juni in Ruhe mit seinem Team auf die WM-Qualifikationsspiele gegen Polen (7. und 14. Juni) vorbereiten.

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