Handball : Füchse Berlin unterliegen in Kiel

Die Füchse Berlin haben den zweiten Tabellenplatz in der Handball-Bundesliga abgeben müssen. Der THW Kiel stellt beim 35:26 gegen die Füchse die Rangordnung wieder her.

Erik Eggers
Und noch einer. Der überragende Christian Zeitz überwindet den Berliner Torhüter Silvio Heinevetter.
Und noch einer. Der überragende Christian Zeitz überwindet den Berliner Torhüter Silvio Heinevetter.Foto: Fishing 4

Alfred Gislason schnaufte tief durch, als die 10 250 Fans die Mannschaft mit stehenden Ovationen aus der Arena verabschiedeten. Mit 35:26 (16:13) hatte der THW Kiel das Spitzenspiel gegen die Füchse Berlin gewonnen, teilweise wie im Rausch gespielt und den zweiten Tabellenplatz zurück erobert. Doch die Füchse waren ein starker Gegner, meinte der isländische Coach des Handball-Rekordmeisters. „Sie spielen auf sehr hohem Niveau. Wir haben nur gewonnen, weil wir eine sehr gute Leistung abgeliefert haben“, sagte Gislason. „Das ist lange her, dass unser Angriff so flüssig lief.“ Der Berliner Trainer war dennoch nicht unzufrieden. „Unser Einsatz und unsere spielerischen Leistung waren trotzdem okay“, sagte Dagur Sigurdsson. Damit bleiben die Füchse in der Bundesligageschichte weiter ohne Sieg in Kiel.

Auch die Kieler Profis freuten sich über die Leistung, die für den weiteren Saisonverlauf einen Durchbruch bedeuten könnte. „Endlich haben wir uns präsentiert wie in den letzten Jahren“, sagte Filip Jicha, der Welthandballer in Diensten des Rekordmeisters. „Dieser Sieg war nach den Niederlagen in der Hinserie enorm wichtig für uns.“ Von einem „Weltklassespiel“ sprach später Linksaußen Dominik Klein. Und alle räumten später ein, dass sie die 23:26-Niederlage im Hinspiel in Berlin besonders motiviert hatte.

Einer der Protagonisten dieser Partie hatte nur zugesehen beim deutschen Desaster bei der Handball-WM. Bekanntlich spielt Christian Zeitz 2008 nach einem Zerwürfnis mit Bundestrainer Heiner Brand nicht mehr für Deutschland. Gestern unterstrich er erneut, dass er der zurzeit beste deutsche Rückraum-Linkshänder ist. Die ersten fünf Tore des THW entstammten seiner Handball-Kunst, die man so nennen kann, obwohl seine Würfe brachial sind. Mal traf er aus dem Rückraum, mal traf er nach einem Tempogegenstoß, mal katapultierte er den Ball mit 106 Stundenkilometern per Unterarmwurf in die Maschen. „Ich habe die Tore gemacht, weil sonst keiner getroffen hat“, erklärte der mit acht Treffern beste Schütze des Tages lachend. „Die ersten fünf Tore zu werfen, das ist mir noch nie passiert.“

Und doch führte der THW nach dieser großen Show des 30-Jährigen nach zehn Minuten nur mit 5:4 Toren. Zwar hatte gleichzeitig Thierry Omeyer, der französische Weltmeister im Kieler Tor, viele klare Chancen der Füchse vereitelt, aber auf der Gegenseite zeigte der deutsche Nationalspieler Silvio Heinevetter noch mehr Paraden; Heinevetter gewann das Torhüterduell.

Auch Denis Spoljaric organisierte erneut hervorragend die schnellfüßige, aggressive 6:0-Deckung des Füchse, die Kiel erhebliche Probleme bereitete. So blieben die Berliner bis zum 7:7 im Spiel, obwohl die Kieler die wichtigsten Offensivwaffen der Füchse, den Isländer Alexander Petersson und den polnischen Regisseur Bartlomiej Jaszka, recht gut im Griff hatten. Erst danach konnte sich der Rekordmeister über 10:7 und 15:10 allmählich absetzen. Sven-Sören Christophersen hielt Kiel mit drei Toren aus dem Rückraum zum 16:13 zur Pause noch in Schlagdistanz.

„Nach der Pause haben wir sofort klar gemacht, dass wir gewinnen wollen“, sagte Zeitz. Die Füchse hielten den Anschluss bis zum 25:21, doch dann zerbrachen sie unter dem enormen Druck des Gastgebers und wurden bis zum 31:21 regelrecht vorgeführt. „Wir haben die Bälle geholt und die Tempogegenstöße gnadenlos verwertet“, fasste Klein diese rauschhaften Minuten zusammen. Der THW Kiel ist wieder da.

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben