Handball : Füchse Berlin wollen Heiner Brand

Bundestrainer Heiner Brand soll im Tausch gegen Dagur Sigurdsson nach Berlin kommen. Die entscheidende Frage im Tauschpoker ist wohl, ob sich Brand vorstellen kann, in die quirlige Großstadt zu kommen.

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„Sensation in Berlin: Bundestrainer Brand wechselt im Sommer zu den Füchsen.“ Das war die Meldung, mit der sich eine Berliner Handball-Internetseite am 1. April einen Scherz erlaubte. Eineinhalb Monate später scheint aus dem Spaß Ernst zu werden: Heiner Brand soll zu den Füchsen Berlin kommen. Das deutsche Handball-Idol, derzeit noch Bundestrainer, könnte im Tausch mit Füchse-Coach Dagur Sigurdsson die Posten wechseln. „Warum nicht?“, sagte Bob Hanning vieldeutig, als er vom Tagesspiegel auf diese Möglichkeit angesprochen wurde. Den Gedanken an eine Verpflichtung Heiner Brands trägt der Geschäftsführer des Bundesligisten schon lange mit sich herum, aber jetzt ist aus der fixen Idee offenbar eine realistische Option geworden. Dafür spricht, dass Hanning nicht konkreter werden möchte: „Meine personelle Planung werde ich mit Ihnen sicher nicht diskutieren.“

Dennoch weisen einige Fakten in diese Richtung. Laut Hanning verhandelt der Deutsche Handball-Bund (DHB) derzeit mit dem Isländer Sigurdsson über ein mögliches Engagement als Nachfolger Brands. „Dagur ist einer der Kandidaten“, sagt Hanning. Es habe zwei Gespräche gegeben, aber es sei alles noch in der Schwebe. Verräterisch ist Hannings Zusatz: „Es kommt auch darauf an, wie sich Heiner entscheidet.“ Da Brands Abschied vom DHB als beschlossene Sache gilt, muss er eigentlich nur eine Entscheidung treffen: Will er nach Berlin?

Ein weiteres Indiz ist, dass eine Doppelfunktion Sigurdssons als Vereins- und Bundestrainer für Hanning auf „gar keinen Fall“ infrage kommt. Erst vor kurzem hatte Sigurdsson auf Hannings Wunsch sein Amt als österreichischer Nationaltrainer niedergelegt, um sich ganz den Füchsen widmen zu können. Vor diesem Hintergrund erstaunt es schon, dass Hanning öffentlich den Verzicht auf seinen Erfolgscoach anbietet, der die Füchse in dieser Saison in den Europapokal führte: „Es gibt übergeordnete Interessen, da muss man dann im Zweifel zurückstecken.“ So redet eigentlich nur jemand, der adäquaten Ersatz an der Hand hat. Und Heiner Brand könnte ab Juni zur Verfügung stehen: Bis dahin will der Gummersbacher die Nationalmannschaft noch trainieren. Es wird erwartet, dass er dann seinen endgültigen Abgang vom DHB bekannt gibt.

Brand und sein früherer Kotrainer Hanning sind alte Freunde. Eine Verpflichtung des 59-Jährigen würde die Füchse vor allem in der Außenwirkung einen großen Schritt nach vorn bringen – Brand ist mit Sicherheit der größte Name im deutschen Handball, der auch bei der Akquise von Sponsoren und Weltklassespielern helfen sollte.

Die entscheidende Frage im Tauschpoker ist also nun wohl, ob sich der selbst ernannte bergische Sturkopf Brand vorstellen kann, in die quirlige Großstadt Berlin zu kommen. Dafür spricht auch Hannings Einschätzung zur Situation: „Erst mal muss sich Heiner Brand entscheiden, und dann sehen wir weiter“, sagt der Geschäftsführer der Füchse. „Aber das ist keine Sache von Wochen oder Monaten mehr.“

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