Handball : Gegen die Wand

Deutschlands Handballer besiegen Algerien bei der Weltmeisterschaft in Kroatien mit 32:20 und übernehmen damit in der Gruppe C die Tabellenführung. Für Bundestrainer Brand war es indes nur "ein Pflichtsieg".

Erik Eggers[Varadzin]
Jens Tiedtke (l.)
Jens Tiedtke (l.) wirft, Algeriens Aziz Benkahla kann nur zusehen.Foto: dpa

Er war der Einzige, der nicht getroffen hatte. „Ich werde mir heute Abend Gedanken darüber machen“, sagte Johannes Bitter ironisch. Schließlich ist er Torhüter, und gestern, im WM-Spiel der deutschen Handball-Nationalmannschaft gegen Algerien, war er sogar ein sehr guter. Der 26-Jährige vom HSV Hamburg zählte mit 15 Paraden zu den Besten beim 32:20 (16:10)-Arbeitssieg der deutschen Mannschaft. Erfolgreichster Torschütze war sein Klubkollege Torsten Jansen mit sechs Treffern.

Damit übernahm der Weltmeister nun mit 5:1-Punkten die Tabellenführung in der Gruppe C der Weltmeisterschaft in Kroatien. Zuvor war Vize-Weltmeister Polen sensationell Mazedonien (29:30) unterlegen, weshalb Bitter warnte: „Das erinnert mich an das olympische Turnier von Peking. Auch da konnte zwei Spieltage vor Schluss noch jeder ausscheiden. Wir müssen sehr wachsam sein.“ Von einem „Pflichtsieg“ bei einer „undankbaren Aufgabe“ sprach Bundestrainer Heiner Brand, der die Unkonzentriertheiten im deutschen Spiel entschuldigte. „Die ersten beiden Spiele haben viel Kraft gekostet.“

Erwartungsgemäß tat sich die deutsche Offensive vor nur 1000 Zuschauern in Varazdin schwer. Der sechsfache Afrikameister störte den deutschen Aufbau, den zunächst Martin Strobel leitete, mit einer aggressiven 3-2-1-Deckung. Das Handball-Lehrbuch empfiehlt hier viel Bewegung ohne Ball. Doch der Weltmeister konnte dieses Konzept zunächst nicht durchsetzen. Zu Beginn sorgten Aktionen des starken Holger Glandorf (Nordhorn) für die 5:3-Führung (12.). Die deutsche 6:0-Deckung um Oliver Roggisch (Rhein Neckar-Löwen) hingegen präsentierte sich sicher; immer wieder prallten die Algerier an dieser Wand ab. Zur Pause führte das deutsche Team 10:6, hatte aber keineswegs überragenden Handball geboten.

Nach Wiederanpfiff jedoch zog der Favorit bald davon und hatte die Partie beim 22:11 (39.) bereits entschieden. Brand schonte nun mit Pascal Hens seinen wichtigsten Profi. Heute lassen sich die Profis während des ersten Ruhetages pflegen. Für die beiden verbliebenen Gruppenspiele gegen Mazedonien (Mittwoch) und Polen (Donnerstag) will Hens Rechenspiele unbedingt vermeiden. „Wir wollen beide Spiele gewinnen, um Gruppenerster zu werden“, sagte der 28-Jährige. „Wir haben jetzt ins Turnier gefunden“, sagte auch Bitter. Allerdings sind weitere Siege auch dringend nötig, um die Qualifikation für das Halbfinale nicht vorzeitig aus den Augen zu verlieren. Die Punkte gegen die Vorrundengegner, die mit in die Hauptrunde reisen, werden schließlich mitgenommen. „Ich bin ja vor der Weltmeisterschaft belächelt worden, weil ich auf die Stärke Mazedoniens und Tunesiens hingewiesen habe“, sagte Brand. „Jetzt hat jeder gesehen, was in der Gruppe los ist.“

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