Handball : Geldbote gefunden?

Neue Vorwürfe gegen den THW Kiel: Es gab dubiose Überweisungen an einen Freund des ehemaligen THW-Trainers.

Erik Eggers
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Seltsamer Transfer. Für Filip Jicha soll Kiel auch in Kroatien bezahlt haben. Foto: dpa

Berlin - Turbulente Wochen liegen hinter dem Handball. Wochen, die die Glaubwürdigkeit dieses Sports bedenklich erschüttert haben. Die vielen Bestechungsversuche bei internationalen Spielen, die von deutschen und dänischen Gespannen zwar gemeldet wurden, die aber von der Europäischen Handball-Föderation (EHF) offenbar nie sanktioniert worden sind, ließen sogar den ungeheuerlichen Verdacht entstehen, dass die Funktionäre die Korruption tolerieren. Nun jedoch kehrt die Geschichte an ihren Ursprung zurück. Drei Wochen, nachdem massive Vorwürfe gegen den THW Kiel die Welle losgetreten hatten, tauchen neue belastende Indizien auf: „Spiegel“- Berichten zufolge steht ein guter Freund des ehemaligen THW-Trainers Noka Serdarusic im Verdacht, als Geldbote bei der Schiedsrichterbestechung bei Champions-League-Spielen fungiert zu haben.

Der Kroate Nenad Volarevic, ein Versicherungsagent aus Zagreb, soll nur wenige Tage vor dem Finalrückspiel 2007 gegen die SG Flensburg-Handewitt (29:27), dem ersten Champions-League- Sieg der Kieler, eine Überweisung in Höhe von 56 000 Euro erhalten und diese an die polnischen Schiedsrichter Miroslaw Baum und Marek Goralczyk weitergeleitet haben. Wie die polnischen Schiedsrichter bestreitet Volarevic dies. Vielmehr habe es sich dabei um eine Vorauszahlung für Spieler gehandelt, „die ich dem THW Kiel in Zukunft nahelegen werde“. Insgesamt soll das Finale laut „Spiegel“ 92 000 Euro gekostet haben. Ende Juni 2007 erhielt Volarevic nämlich einen weiteren Betrag in Höhe von 36 000 Euro. Diesen zweiten Betrag habe er für die Vermittlung von Igor Anic erhalten, erklärte Volarevic.

Es klingt abenteuerlich, dass einer der besten Handballklubs der Welt einem Freund des Trainers mehr als 50 000 Euro überweist und fast zwei Jahre später dafür noch keine Gegenleistung erhalten hat. Auch die zweite Summe scheint zweifelhaft, da Anic ein unbeschriebenes Blatt war, als er 2007, nur wenige Wochen nach dem Champions-League-Sieg, überraschend nach Kiel wechselte; von einer Ablösesumme für den Kreisläufer war bislang nie die Rede.

Weiterhin berichtet der „Spiegel“ von dubiosen Bar-Abhebungen vor wichtigen Champions-League-Spielen während der Saison 2007/08. Dabei soll es sich um das Hauptrundenspiel gegen den spanischen Klub Ademar Leon (32:26) handeln, das vom slowenischen Gespann Darko Repensek und Janko Pozeznik geleitet wurde und das 20 000 Euro gekostet haben soll. Im Umfeld des folgenden Halbfinalhinspiels gegen den FC Barcelona (41:31) sollen rund 40 000 Euro abgehoben worden sein, hier fungierten die beiden Ukrainer Valentyn Vakula und Aleksandr Liudowyk als Schiedsrichter. Beide Paare stritten Bestechungsversuche ab. Der Ukrainer Liudowyk arbeitet, wie vorige Woche bekannt wurde, parallel als Spielervermittler, was EHF-Generalsekretär Michael Wiederer ebenfalls toleriert.

Ungeklärt ist weiterhin der Hintergrund einer angeblichen Überweisung in Höhe von 150 000 Euro, von der die „Hamburger Morgenpost“ berichtet hatte. Sie soll als Transfersumme für den tschechischen Rückraumstar Filip Jicha im Sommer 2007 deklariert worden sein. Jichas früherer Klub TBV Lemgo erklärte auf Anfrage des Tagesspiegels, die damalige Ablöse, die sich um 400 000 Euro bewegt haben soll, sei in einer Summe auf ein Konto der Lemgoer Sparkasse überwiesen worden. Jichas Berater Jochen Bergener kann sich den Geldfluss nach Zagreb ebenfalls nicht erklären.

THW-Geschäftsführer Uwe Schwenker, gegen den die Kieler Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue ermittelt, bestreitet wie auch Serdarusic, gegen den wegen Beihilfe zur Untreue ermittelt wird, alle Vorwürfe.

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