Handball : Heiner Brand: Jetzt ein schönes Büro

Heiner Brand verabschiedet sich nach 14 Jahren als Handball-Bundestrainer, kritisiert die Vereine und wird Manager. Füchse-Trainer Sigurdsson bleibt weiter ein Kandidat für Brands Nachfolge.

Erik Eggers
Bitterer Abschied. Heiner Brand war als Spieler 1978 Handball-Weltmeister. Als Trainer holte er mit der Nationalmannschaft die Titel bei der EM 2004 und der WM 2007.
Bitterer Abschied. Heiner Brand war als Spieler 1978 Handball-Weltmeister. Als Trainer holte er mit der Nationalmannschaft die...Foto: dpa

Die Sportschule in Kaiserau hat Heiner Brand in bester Erinnerung. Hier campierten sie einige Tage, als Brand die Handball-Nationalmannschaft 2007 zum Weltmeistertitel führte. Seinerzeit erhob Brand die Pressekonferenzen zu einer neuen Kunstform, erzählte Anekdoten aus der wundersamen Welt des Handballs und unterhielt das live zugeschaltete TV-Publikum mit seinem trockenen, oberbergischen Charme. Vier Jahre später ist alle Leichtigkeit verflogen. Sorgenfalten zogen sich durch sein Gesicht, als er gestern über die Gründe seines Abschiedes als Bundestrainers sprach, auch Anflüge von Bitterkeit. „Diese 14 Jahre als Bundestrainer haben Narben hinterlassen, manches hat mir zuletzt den Spaß verdorben“, sagte Brand.

Der 58-Jährige Gummersbacher bleibt dem Deutschen Handballbund (DHB) wie erwartet treu. Nach den beiden Länderspielen im Juni gegen Österreich und Lettland wird er ab 1. Juli als „Handball-Manager“ im mitgliederstärksten Handballverband der Welt (rund 850 000 Mitglieder) arbeiten. „Brand bekommt ein schönes Büro“, teilte DHB-Präsident Ulrich Strombach mit. Diese Personalie Brand habe „höchste Priorität“ für den DHB besessen, höher jedenfalls als die Position des Nachfolgers als Bundestrainer. Eine Überraschung ist, dass der Vertrag Brands, der ursprünglich bis Juni 2013 datiert war, vom DHB bis 2015 verlängert wurde, inklusive einer Option für eine weitere Verlängerung.

Die Karriere von Heiner Brand
Die wilden Zeiten sind vorbei. Heiner Brand hört als Handball-Bundestrainer auf. Wir erinnern in einer Bildergalerie an die Karriere des Gummersbachers.Weitere Bilder anzeigen
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16.05.2011 12:31Die wilden Zeiten sind vorbei. Heiner Brand hört als Handball-Bundestrainer auf. Wir erinnern in einer Bildergalerie an die...

Anders als in den letzten Tagen vermeldet, ist die Stelle des Bundestrainers weiterhin vakant. „Es ist noch gar nichts entschieden“, sagte DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier. „Es werden immer noch Gespräche geführt.“ Bis Ende Juni will der DHB diese Personalie klären. Andererseits ist klar, dass hierfür nur noch zwei Trainer in Frage kommen: Der aktuelle Kotrainer Martin Heuberger und Dagur Sigurdsson (Füchse Berlin). „Sigurdsson ist noch im Spiel“, bestätigte Bredemeier. Das Hamburger Abendblatt hatte berichtet, dass Füchse-Manager Bob Hanning bereits einen Nachfolger parat habe.

Bei der Auswahl sollen finanzielle Aspekte keine Rolle spielen. Da Sigurdsson einen Vertrag bis zum Jahr 2014 besitzt, wäre eine Ablöse fällig. Der 38-Jährige wäre gewiss auch teurer als Heuberger (46). Wenn der DHB einen Trainer haben wolle, dann sei vieles möglich, sagte Bredemeier. Brand erklärte, dass er mit diesem Abschnitt abgeschlossen habe. „Es ist nicht meine Absicht, in die Arbeit des neuen Bundestrainers hineinzureden“, sagte der Weltmeister von 1978. Seine neuen Aufgabengebiete am Schreibtisch sind fortan der Aufbau einer Leitlinie für die Ausbildung der Junioren- und Jugendnationalspieler, die Zusammenarbeit mit der Wissenschaft und den Trainern, die Talentsichtung, die Trainerausbildung, die Begleitung der sportlichen und beruflichen Ausbildung der potenziellen Nationalspieler und auch die Betreuung und Akquise von Sponsoren, führte Strombach aus.

Er wird also auch mit den jenen großen Klubs zu tun haben, die er in Kaiserau noch einmal scharf anging. Der THW Kiel, der HSV und auch die Rhein Neckar-Löwen hätten keine jungen Spieler an die Nationalmannschaft herangeführt. Auch die Stimmen der HSV-Verantwortlichen im Januar, die die Ausbootung Torsten Jansens monierten, haben ihn genervt. „Das bringt mangelnden Respekt vor meiner Person und meinen Verdiensten zum Ausdruck“, echauffierte sich Brand. Auch kritisierte er, dass die Klubs ihren Profis eintrichterten, sie sollten sich möglichst nicht bei Länderspielen verletzen. „In Frankreich wird ihnen gesagt, sie sollen stolz sein, für ihr Land zu spielen.“ Clever war diese Abrechnung mit den Funktionären gewiss nicht, da Brand sich in den nächsten Jahren auch mit diesen Klubs auf gemeinsame Linien einigen muss.

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