Handball : Historischer Hattrick

Das erfolgreichste Jahr in der Geschichte des deutschen Handballs ist perfekt: Drei Monate nach dem Gewinn des WM-Titels schafften der THW Kiel, der SC Magdeburg und der HSV Hamburg den dreifachen Triumph im Europapokal.

Leipzig - Während die Kieler durch den 29:27-Finaltriumph in der Champions League gegen den Nordrivalen SG Flensburg-Handewitt sich zur besten Mannschaft Europas krönten, holten die Magdeburger mit 31:28 gegen CAI Aragon Saragossa den EHF-Pokal. Der HSV Hamburg rundete das Bundesliga-Triple dank der mehr erzielten Auswärtstore bei der 33:37-Niederlage im Endspiel um den Pokal der Pokalsieger bei Ademar Leon in Spanien ab.

10.250 Zuschauer in der ausverkauften Ostseehalle bejubelten den Franzosen Nikola Karabatic (9/1) als besten Kieler Werfer, für Flensburg war Marcin Lijewski (6) erfolgreichster Torschütze. Beide Teams, die sich im Hinspiel 28:28 getrennt hatten, beendeten die Partie dezimiert: Flensburgs Joachim Boldsen (19.) und Kiels Christian Zeitz (60.) sahen jeweils wegen groben Foulspiels Rot. "Ich würde diesen Triumph als unglaublich bezeichnen", sagte THW-Trainer Zvonimir Serdarusic.

Magdeburg setzte die Vorherrschaft der Bundesliga im EHF-Cup fort und holte nach dem 30:30 im Hinspiel die Trophäe damit zum 13. Mal nach Deutschland. Bester Magdeburger Werfer vor 7838 Zuschauern in der ausverkauften Bördelandhalle war Grzegorz Tkaczyk mit sechs Toren. Eine dramatische Zitterpartie lieferte Hamburg in Leon ab: Nach dem 28:24-Heimsieg gewannen die Hanseaten ihren ersten Europapokal. Acht Sekunden vor dem Ende sorgte Kyung-Shin Yoon mit seinem zehnten Treffer für das Happy End für die Hamburger. Bertrand Gille (46.) wegen groben Foulspiels und Stefan Schröder (60.) wegen Unsportlichkeit sahen jeweils die Rote Karte.

"Auf Augenhöhe mit en Spaniern"

Nach der WM-Trophäe stehen damit auch die drei wichtigsten Pokale des europäischen Club-Handballs in Deutschland. Damit hat die Bundesliga die Dominanz spanischer Vereine in den vergangenen Jahren beendet, denen in den Spielzeiten 1993/94 und 1994/95 das Triple aus Champions League, EHF-Cup und Europapokal der Pokalsieger gelungen war. "Wir sind auf Augenhöhe mit den Spaniern", sagte Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL). Bereits Anfang Februar hatte die deutsche Nationalmannschaft Spanien als Weltmeister beerbt.

Im brisanten Champions-League-Finale schenkten sich die Nordrivalen Kiel und Flensburg nichts. Für das große Finale hatten die Kieler eine "Wunderheilung" vollbracht. Zwei Wochen nach seinem Sehnenabriss im Oberschenkel stand Kapitän und Spielmacher Stefan Lövgren wieder im Aufgebot des deutschen Meisters. Zum Einsatz kam er aber nicht.

Blitzstat von Kiel

Doch auch ohne ihren Regisseur kamen die Hausherren bestens in die Begegnung. Mit einem Blitzstart führte der Gastgeber durch drei Zeitz-Treffer mit 3:0 (4.). Kiel gab nicht einmal die Führung aus der Hand. Zu Beginn der zweiten Halbzeit präsentierten sich die Gäste aus Flensburg wesentlich bissiger. Dank besserer Abwehrarbeit stellten sie die Kieler Rückraum-Asse vor Probleme, verkürzten auf 17:19 (41.) und hielten die Partie bis zum Ende offen.

Wenige Stunden zuvor hatte der SC Magdeburg angeführt vom überragenden Schlussmann Silvio Heinevetter zum dritten Mal nach 1999 und 2001 den EHF-Pokal gewonnen. Das Team von Trainer Bogdan Wenta, das im Hinspiel ein 30:30 erkämpft hatte, feierte den neunten internationalen Titel seiner Vereinsgeschichte. Auf europäischer Bühne ist nur noch der deutsche Rekordmeister VfL Gummersbach mit zehn Siegen erfolgreicher. Weltmeister Oliver Roggisch meinte: "Wir werden zwei Tage durchtrinken, danach wollen wir noch den Champions- League-Platz holen." (Von Timo Lindemann, dpa)

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